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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 8 (1898) · page 5

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Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
8 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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gehen und ihm ankündigen, daß Gottes Gerichte ihm nahe sind, erwachen manche zur Selbsterkenntnis. Dis „Revisionisten" in Odessa haben aufgrund des Neuen Testaments das Urteil gefällt, daß die Areuzigung JEsu von Nazareth durch das jüdische Volk und seine Obrigkeit ein Justizmord an dem Gesalbten Gottes gewesen sei. Hier ist die Selbsterkenntnis, mit welcher allein Israel den ersten Schritt zur wahren Sittlichkeit thun kann. Prof. £. hebt es mit Recht rühmend hervor, daß die Ethik des Judentums eine Sozialethik sei. Es zeugt zwar von-Unkenntnis der christlichen Ethik, wenn er behauptet: „Nicht bloß die Ethik der Alten, sondern vielfach auch die der Neueren ist teils durch vorausgesetzte Forderungen an die Intelligenz, teils durch die Wertbestimmungen der Lebensführung und der zu erzeugenden sittlichen Güter als eine aristokratische zu bezeichnen; auch die Geringen und die Schwachen, die Wühseligen und Beladenen, die weder im Wissen noch im Wirken hervorragen oder auch nur hervorsireben, allein durch die Innigkeit des Gemüts, mit welcher sie das Leben umspannen, zu vertiefen und zu erheben, bezeichnet deshalb eine so viel höhere Stufe der ethischen Lebensanschauung; und dies besonders deswegen, weil sie nicht bloß auch die breiten unteren Waffen von dem Glanze der Idealität beleuchten läßt, sondern, weil sie allein den Begriff eines wahrhaft ethischen Gesamtgeistes, einer sittlichen Lebenseinheit des ganzen Volkes, zur Geltung bringt." Das Ehristentum hat nicht bloß von je her geboten, sich insonderheit der körperlich und geistig Schwachen, der Wühseligen und Beladenen anzunehmen, sondern ist auch diesem Gebote von je her gefolgt, freilich als ein Sauerteig, der viel Zeit gebraucht, die Waffe der dem Heidentum abgewonnenen Völker zu durchsäuern, und viele Aämpfe gegen heidnische und jüdische Gesinnung zu führen hat, die solcher Liebe zu den Armen mitten in der Ehristenheit sich entgegenstellt. Auch in den Zeiten des tiefsten Niedergangs des christlichen und kirchlichen Lebens ist das geschehen, wenigstens bei der kleinen Schar derer, die ihrem in der Liebe thätigen Glauben treu blieben. Auch haben wir Ehristen nicht bloß den Begriff eines wahrhaft ethischen Gesamtgeistes, einer sittlichen Lebenseinheit des ganzen Ehristenvolkes, sondern die Thatsache und Wirklichkeit desselben in Ehristi heiligem Geiste, der nickt bloß auch die unteren Waffen vom Glanze der Idealität beleuchten läßt, sondern auch diese Idealität zu einer alle Not der Armen, der Wühseligen und Beladenen ertragenden und überwindenden Wirklichkeit führt, und zwar auch mitten in der bleibenden Not dieser Welt. Lhristus, der alle Not, auch die der Aermsten und Elendesten, getragen, ist mit seinem Geiste bei ihnen, um sie durch denselben herauszuheben aus aller ihrer Not, daß sie, wenn auch äußerlich noch mitten in derselben, ihn freudig rühmen und preisen können. Wie er ein Aönig und Priester der ganzen Welt geworden ist durch seine Armut und seinen Verbrechertod, so will und wird er uns durch alle Not und Anfechtungen hindurch erheben, damit wir das recht werden, was wir schon dem Anfänge nach durch seine Gnade in der heiligen Taufe geworden sind: Glieder der hohen

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