Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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,,, *s~£- - -, *_ 59 Durch letztere sollte die menschliche Freiheit gewahrt werden auch gegenüber Gott, der doch die Liebe ist, die allein frei macht, die man aber zur Zeit Aants zu verstehen verlernt hatte. Der Gott der Bibel, nicht bloß des Neuen, sondern auch des Alten Testaments, ist diese Liebe. Tr ist der Auell und Antrieb des sittlichen Liebeslebens, er ist sein Ziel und Lohn. Damit ist das wahrhaft sittliche Leben frei von aller angemaßten menschlichen Autorität, aber auch frei wie von der Aalte des Aant'schen kategorischen Imperativs, so von der mystischen Überspanntheit, die behauptet, auch in der Hölle selig sein zu können. Aber wie soll das göttliche Liebesleben in den Menschen eingehen, wenn es nicht selbst menschlich wird, wenn Gott nicht Mensch wird? Davon will bis jetzt Israel nichts wissen, obschon diese Menschwerdung eine die Welt beherrschende Thatsache geworden ist. Es verschließt sich damit gegen das göttliche Liebesleben der wahren Sittlichkeit, das von dem Gottmenschen IEsus ausgeht. Israels Irrtum liegt nicht so sehr auf dem Gebiete der Lehre als auf dem des Lebens und der Thatsachen. Es ist der Widerspruch gegen die offenbare Thatsache der Menschwerdung Gottes. Nach L. kommt es zum sittlichen Leben durch die Gesetzlichkeit, d. i. durch den gesinnungsvollen Gehorsam gegen das Gesetz, wobei der Gehorsam als rein formales Element wirkt. I)r. Seligmann nennt es „goldene Worte", wenn Prof. L. schreibt: „Man kann die Gesetzlichkeit, d. h. die Gesinnung, welche nach Erfüllung des Gesetzes, weil es Gesetz ist, trachtet, als das eigentliche Ziel des Gesetzes ansehen. Frei von allen Wünschen, Absichten, Zwecken, welche sonst ihre Anziehung aus das menschliche Gemüt ausüben, waltet hier der Gehorsam als rein formales Element. Auf keinerlei Art von Erfolg, auch nicht auf einen geistigen, wird hier gerechnet, als darauf, daß die Handlung durch den Gehorsam, der sie erzeugt, zu einer sittlichen wird." Wer das als gut Erkannte nach bestem Wissen und Gewissen will, der ist auf dem Wege heilig zu werden, d. i. gottähnlich. Denn auch der Jude ist nicht heilig, er kann es nur werden. Aber einer andern Bedingung, um heilig werden zu können, bedarf es dabei garnicht, als der, daß man ein Jude ist. Die Beschneidung ist eben der erste Schritt zur Gesetzlichkeit. Ist diese formale Gesetzlichkeit wirklich ein Bild des inneren Seelenlebens der frommen Väter des Volkes Israel? Ganz gewiß nicht. Sie freuten sich in Iehovah, und die Freude in Iehovah war ihre Stärke, die ihnen Araft gab, in seinen Wegen zu wandeln und seinen Geboten zu gehorchen. Oder andrerseits, sie waren tief traurig und niedergeschlagen um ihrer Sünde willen, und erkannten und fühlten, daß, wenn Gott ihnen die Sünde nicht vergebe, ihr Wandel ihm nimmermehr gefallen könne, weil sie dann zum rechten Gehorsam keine Araft hätten. Freilich „Gehorsam ist besser denn Opfer". Aber der Anfang alles Gehorsams ist die mit tiefer Betrübnis verbundene Erkenntnis der Sünde und die Bitte um Vergebung derselben. Und darauf verließen sich denn auch die Väter, daß, wer mit so zerschlagenem Herzen um Vergebung der Sünde bitte, Erhörung und die freudige