Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 7 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2555128-2555135--09934-2566140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Länger meinem Gott verhehlen, daß ich der Brudermörder seines eingeborenen.Sohnes war. Der Geist Gottes fuhr fort, ungeachtet meiner großen Schwachheit, ungeachtet des langen Widerstandes, den ich bisher gegen fein Zeugnis und feine Rührung angewandt hatte, mir das Geheimnis der göttlichen Liebe und die wohlthat des Glaubens an unfern gnädigen und einzigen HEiland immer mehr und mehr zu offenbaren." Zu 1. I*eLri 2,9. In seinen „Soliloquien" schreibt der Kirchenvater Augustinus: „Spät habe ich dich erkannt, du wahres Licht. Line dicke, düstere Wolke lag vor den Augen meiner Eitelkeit. Finsternis umhüllte mich, und ich Sohn der Finsternis liebte meine Finsternis, weil ich das Licht nicht kannte. Blind war ich und liebte die Blindheit und wanderte durch Dunkel zum Dunkel, wer führte mich hinaus, als ich in Finsternis und Todesschatten lag? wer ist mein Lrleuchter? Du bist es, HLrr, mein Gott, huldvoll und erbarmend, ein Vater der Barmherzigkeit und ein Gott alles Trostes. Du bist es, heiliger %rr, mein Gott, den ich von ganzem Kerzen bekenne und dessen Namen ich preise. Ich suchte Dich nicht: Du suchtest mich. Ich rief Dich nicht: Du riefst mich. Mit Deiner Stimme riefst Du mir zu und donnertest von oben herab mit mächtiger Stimme in das innerste Ohr meines Herzens: „Ls werde Licht!" Da ward es Licht, und der dicke Nebel schwand, und die düstere Wolke zerschmolz, die meine Augen bedeckt hatte. Ich sah Dein Licht und erkannte Deine Stimme und sprach: wahrlich, Du bist der Herr, mein Gott, der mich aus Finsternis und Schatten des Todes zu Deinem wunderbaren Licht geführt hat, und siehe, jetzt schaue ich es." Kirre gesegnete Mifstonsaröeit. Die unvergeßliche preußische Königin Luise gestand der Frau von Krüdener in einem Briefe: „Sie haben mich besser gemacht, als ich war. Ihre Sprache der Wahrheit, die Unterredungen, die wir mit einander über Religion und Christentum hatten, haben auf mich einen tiefen Eindruck gemacht. Ich habe ernster über diese Dinge nachgedacht, deren wert ich zwar zuvor schon, aber noch nicht mit dieser Gewißheit fühlte. Ich habe in solchem Nachdenken reichen Trost gefunden und bin Gott näher gekommen. Mein Glaube wuchs, und so bin ich inmitten des Unglücks, t er zahlreichen Demütigungen und des namenlosen Kummers nie ganz ohne Trost, nie ganz unglücklich gewesen. Zugleich hat mir Gott die wohlthat erwiesen, daß er mein Herz vor Bitterkeit bewahrt und es mit Liebe für meine Mitmenschen erfüllt hat. Ich bin zu einer Ruhe der Seele und zu einem innern Frieden gelangt, aber ich muß wieder auf die Schaubühne der Welt treten." hierauf bittet die Königin: „Versprechen Sie mir, daß Sie mich immer die Stimme der Wahrheit hören lassen werden!" Die Naradiesölurne. Lin edler morgenländischer König sehnte sich darnach, sein Volk wahrhaft glücklich zu machen. Mit diesem verlangen wanderte er eines Morgens auf dem flachen Dache seines Palastes hin und her. Plötzlich stand ein Engel vor ihm und sagte: „Dein Wunsch kann erfüllt werden. Siehe, ich bringe dir ein Samenkorn der Wunderpflanze, welche im Paradiese bei Gott wächst und die Eigenschaft hat, Frieden und Freude um sich zu verbreiten." Mit diesen Worten legte der Engel ein Körnchen in eine mit Erde gefüllte Marmorvase, die auf dem Dache stand, hierauf begoß er es mit einer silbernen -Gießkanne. Alsbald keimte der Same: Halme, Stengel, Blätter und lilienförmige Blüten kamen zum Vorschein. Erquickt von dem köstlichen Duft, welcher den letzteren entströmte, fragte der König: ,,Darf ich überallhin Ableger dieser herrlichen Pflanze senden?" „Gewiß," antwortete der Engel. „Nur beachte, daß sie ihre Wunderkraft vom Wasser des Fimmels empfängt! Fange dasselbe auf, wenn es im Regen herabkommt, oder schöpfe es auf hohen Bergen, wo es kristallklar in Felsspalten ruht! Die Hauptsache aber ist, daß dein Herz fromm ist, wenn du die Pflanze begießest." Nach Verlauf eines Jahres blühte die Paradiesblume in den Däusern vieler Unterthanen des Königs. Aber nicht überall zeigte