Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 7 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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5H hatte erfahren, daß man auf dem Weg der Demut vorankommt. Beim vorletzten Schwesterntag, an dem sie teilnahm, sollte sie in einer schwierigen Sache Rat erteilen. Da sagte sie mit zitternder Stimme: „Ich habe immer gefunden, daß der unterste Weg der sicherste ist." Auch das letzte Wort, das sie auf Erden schrieb, gab dieser Erkenntnis Ausdruck. Es lautete: „Im Dienen üben!" Wer sich im demütigen Dienst übt, wandelt in den Fußtapfen Lhristi, der nicht nur ein Diener der Beschneidung war (Rom. (5, 8), sondern im Dienst der ganzen Menschheit stand (Mat. 20, 28). Oehmngers Geschichte des Christentums. Schon durch manche frühere Veröffentlichungen hat sich der Pfarrer von Laufen am Rheinfall einen Namen gemacht. Aber ganz besonders wertvoll ist seine letzthin im Verlage von E. pirsch in Aonstanz ans Licht getretene Airchengeschichte. Der stattliche Band von 50^ Seiten, den zahlreiche Bilder schmücken, schildert in 37 Abschnitten die wichtigsten Schicksale des von IEsu gestifteten Reiches. Oehninger erblickt in dieser Geschichte mit Recht ein gewaltiges Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums. Er sagt: „Nichts sonst in der Welt hat sich als eine solche weltüberwindende Macht im menschlichen Gemüte erwiesen wie der Glaube an den Gott, der in Christo IEsu selig macht." Es sind keineswegs lauter Lichtbilder, die er uns vorführt. Er zeigt uns auch allerlei Verirrungen, die auf dem Boden des Christentums zum Vorschein gekommen sind. Die Verzerrungen des heiligen dienen als abschreckende Beispiele: sie können uns vor Zweifel und Abfall schützen. Es ist selbstverständlich, daß der Verfasser und seine Leser in manchen Stücken verschieden urteilen. Auch kommen hie und da sachliche Mängel vor. Aber das hält uns in keiner Weise ab, Oehmngers Geschichte des Christentums aufs wärmste zu empfehlen. Möge sie vielen „ein neuer Antrieb werden, das besser zu würdigen, was oft so wenig gekannt, so oft entstellt, so viel verachtet wird und doch eine wunderbare, den Menschen über sich hinaus und empor hebende Gotteskraft in sich birgt I" Namentlich wünschen wir dem schönen Werk viele aufmerksame israelitische Leser. Wie beschränkt oft auch bei gebildeten Israeliten die Aenntnis unserer kirchlichen Vergangenheit ist, erfährt der Schreiber dieser Zeilen immer wieder. Schließlich sei noch der außerordentlich billige Preis, dieser neuesten Airchengeschichte hervorgehoben. Das prächtig gebundene Exemplar kostet nur Mk. Zn 1. Mose 4, 10. Johann Georg Hamann, der „Magus im Norden", las i. I. J758 eines Abends 5. Mose 5. Hierbei wandte sich sein Nachdenken der Geschichte Abels zu, dessen Blut die Erde von seines Bruders Händen empfing. „Ich fühlte mein Herz klopfen," schrieb Hamann selbst von jenem Abend. „Ich hörte eine Stimme in der Tiefe desselben seufzen und jammern als die Stimme des Blutes, als die Srimme eines erschlagenen Bruders, der sein Blut rächen wollte, wenn ich selbiges bei Zeiten nicht hörte oder fortführe, mein Ohr gegen selbiges zu verstopfen. Ich fühlte auf einmal mein Herz quellen, es ergoß sich in Thränen, und ich konnte es nicht