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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 6 (1898) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
6 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Mendelssohn, er brauche von diesem von Zeit zu Zeit sehr nötig ein Briefchen, wenn er nicht ganz mißmutig werden solle. „Die Aalte, mit der die lvelt gewissen Leuten zu bezeugen pflegt, daß sie ihr auch gar nichts recht machen, ist, wenn nicht lötend, doch erstarrend." Mendelssohn, welcher im Anhang zu seinen „Morgenstunden^ (2. Auflage, (786) diesen Brief mitteilt, erklärt, er könne die durch denselben verursachte widrige Empfindung nicht beschreiben. Er sah hier „einen gebeugten, abgehärmten, endlich unterliegenden Aämpfer, einen gleichsam müde gejagten, verschmachtenden pirsch, der endlich hinsinkt und sein edles Geweih mutlos in den Staub legt." Aber auch Mendelssohn selber, welcher der positiven Religion näher stand als Lessing und daher diesen vor der Veröffentlichung der IVolfenbüttler Fragmente gewarnt hatte, konnte sich auf seinem schwankenden Standpunkt das seelische Gleichgewicht nicht immer bewahren. Der gereizte Zustand, in welchem er Zakobis Schrift über Spinoza beantwortete, beschleunigte das Lebensende des deutschen Sokrates. Einen festen Halt für alle Lebenslagen bietet nicht die titanenhafte philosophische- Meinung, sondern lediglich der demütige biblische Glaube. Wer Misstonsversammtungen und in WWonsschriften fällt mir manchmal das Gebet auf: ,,Segne, o Gott, unsere schwachen Bemühungen!" Es liegt ja etwas Berechtigtes in diesem Ausdruck. Er soll wohl an Luk. ^7, jo („wir sind unnütze Knechte"), Gal. 4, \5 („Ihr wisset, daß ich euch in Schwachheit ... . gepredigt habe") und ähnliche Stellen anknüpfen. Dennoch erregt er, in der Öffentlichkeit auftretend, ein gewisses Mißbehagen. Man fragt sich: Ist er wirklich ehrlich gemeint oder nur eine Phrase? Im ersten Lall möchten wir weiter wissen, warum denn die Bemühungen zur Ausbreitung des Reiches Gottes nur schwach und nicht, wie sie es doch sein sollten, kräftig Und nachdrücklich sind. Für einen lauen Missionsbetrieb kann man ja doch keinen Segen erwarten! wenn die Dinge so liegen, gilt es zuerst zu beten: , vergieb uns unsere Schwachheit und gieb uns die uns nötige Kraft!" Ist jene Bitte aber nicht ernst gemeint, sucht man vielmehr dem Missionsbefehl nach bestem wissen und Gewissen zu gehorchen, dann müssen wir erst recht sagen: hinweg mit ihr! Kin Wendepunkt im Leöen. Ein Herr wurde gefragt, welche Zeit er als die angenehmste und glücklichste in seinem Leben betrachte. Er antwortete: „Zunächst die Zeit vom ^6. bis zum 2H. Jahre, innerhalb deren ich unter günstigen Verhältnissen lebte und viel Freude, besonders viel Freundschaft und Liebe genoß. Doch noch besser und ergiebiger war eine spätere Zeit,, die ich unter schmerzhaften Öualen zubrachte. Das klingt zwar wunderlich, aber es ist so. Ich war infolge eines anhaltenden inneren Leidens und außerdem einer schlimmen Verletzung, die ich mir durch einen Sturz vom Pferde zugezogen hatte, genötigt, meine Thätigkeit für etwa 6 Wochen einzustellen und in einem engen, aber anmutig nach Gärten hinaus gelegene:! Zimmer eine gründliche Kur durchzumachen. Über die Art und den Verlauf dieser Kur will ich mich jetzt nicht weiter auslassen: sie gelang vollständig. Ich lag 5 Wochen da wie ein gefesselter Verbrecher, wurde während der ganzen Zeit selten durch einen freundschaftlichen Besuch erfreut und hatte zur geistigen Unterhaltung außer einigen Bänden von Looper und Shakespeare nichts bei mir als die Bibel und einen Jahrgang einer kirchlichen Zeitschrift. Diese legte ich bald beiseite und begann dann, zunächst aus Langerweile und Neugierde, in der mir noch wenig bekannten Bibel zu lesen. Fast den ganzen Tag las ich eifrig in ihr, soweit ich nicht einer kurzen Pause oder der Ruhe bedurfte, so daß ich sie während jener Zeit, bald hier bald dort anfangend, gänzlich durchnahm. Nie habe ich einen Gegenstand, der mich an-

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