Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Paulus völlig überein (2. Aor. \t 24). Wie aber verhält sich der Papst zu der Lehre der heiligen Apostel? (Es war am \8. Juli MO, als Pius IX. auf dem Vatikanischen Aonzil während eines Gewitters, welches die äußerste Dunkelheit über die Versammlung verbreitete, die beschlossene Aonstitution von der Airche verkündigte, nach welcher er selbst, „wenn er vom Lehrstuhle aus spricht, d. h. wenn er in Ausübung seines Amtes als tzi'rt und Lehrer aller Christen vermöge seines höchsten apostolischen Ansehens eine von der ganzen Airche festzuhaltende Lehre über den Glauben oder über die Sitte bestimmt, kraft des im seligen Petrus ihm selbst verheißenen göttlichen Beistandes mit jener Unfehlbarkeit gebietet, mit' welcher der göttliche Erlöser seine Airche bei der Feststellung einer Lehre über Glauben nnd Sitten ausgestattet wissen wollte." Es wurde noch hinzugefügt, „daß derartige Bestimmungen des Papstes durch sich selbst, nicht aber durch Zustimmung der Airche unabänderlich sind. Wenn aber jemand, was Gott verhüte, dieser unserer Bestimmung zu widersprechen wagen sollte, so sei er verflucht!" Aann man sich einen schärferen Gegensatz denken als denjenigen zwischen den Worten des Petrus („nicht als die über das Volk herrschen") und' des Paulus („nicht als ob wir Herren seien über euren Glauben") einerseits und dem mitgeteilten Unfehlbarkeits-Dogma? Aufwen mag wohl der obige Fluch des papstes fallen: auf ihn selbst oder auf diejenigen, die dem furchtbaren Unfehlbarkeitsdogma keinen Glauben und Gehorsam schenken? 5. Aus dem Gesagten möchten wir noch eine Folgerung ziehen hinsichtlich einer Einrichtung der römisch-katholischen Airche, die das Wachstum der Airche IEsu Christi in sehr erheblichem Maße berührt; wir meinen das Verbot des Bibellesens für die Laien. Dies Verbot ist in Petri Sinn und Geist zu verwerfen. Wenn der Apostel an die Christen damaliger Zeit seine Briefe richtet, so will er selbstverständlich, daß sie von denselben gelesen werden. War aber auch den schlichten Leuten aus dem Volke damals das Lesen der Briefe erlaubt, ja, wurde dies von dem Apostel selbst gewünscht, so ist kein Grund ersindlich, den Christen späterer Zeiten das Lesen dieser heiligen Schriften zu verbieten. Was aber von den Briefen des Petrus gesagt ist, gilt von der ganzen heiligen Schrift, die Gottes Wort uns bringt. In ihr waltet Gottes Geist, zu dem man das feste Vertrauen hegen muß, daß er alle, welche heilsverlangend in das göttliche Wort sich versenken, von einer Alarheit zur andern führen und so die irrtümlichen Auslegungen der heil. Schrift immermehr Hinwegthun wird. So glauben wir nachgewiesen zu haben, daß die römisch-katholische Airche in den oben berührten Punkten mit dem Apostel Petrus nicht übereinstimmt. __ Die Religion Lessings ml Mendelssohns. Daß die natürliche Religion nicht stark genug ist, die Wenfchenseele allezeit über dem Wasser zu halten, zeigt sich in der Geschichte von zwei hervorragenden Lehrern dieser Religion. Am Dezember 1(780, also nicht lange vor seinem Tode, schrieb Lessing seinem Freunde Üloses