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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 6 (1898) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
6 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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zubringen. Irgendein Verdienst haftet aber solchen Früchten des von Gott gewirkten Glaubens nicht an. Sonst könnte Petrus nicht schreiben: „Setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade." Sollen wir unsere Hoffnung ganz auf die Gnade stellen, so ergiebt sich hieraus, wie gefährlich es ist, zu sagen, daß die Werke den Christen das Himmelreich und die Vermehrung der heiligmachenden Gnade verdienen, haftet den guten Werken wirklich solche Verdienstlichkeit an, so würde es nicht unstatthaft fein, fein Vertrauen darauf zu stellen. Damit würde aber das eine vollkommene und für die ganze Welt ausreichende Verdienst IEsu Thristi verdunkelt und die Mahnung Petri verachtet, daß wir unsere Hoffnung ganz auf die Gnade setzen sollen. Diese Gnade hatte Petrus in besonderem Maße an sich erfahren. Gerade er hatte seinen HEiland unter erschwerenden Umständen verleugnet, als er gegen die Warnung des HErrn diesem nach seiner Gefangennehmung in den Palast des Hohenpriesters gefolgt war. Dreimal leugnete er, den HErrn zu kennen; bei der dritten Leugnung verfluchte er sich und leistete wissentlich einen falschen Schwur (Mark. (H, 7\). Wir können uns seine Gewissensqualen denken, als ihm diese furchtbare Sünde recht zum Bewußtsein gekommen war. Dahin war sein früheres so herrliches Bekenntnis zu Thristo, dem ewigen Gottessohne; er gehörte zu den tiefstgefallenen Menschen. Wie viel fehlte bei ihm wohl noch an der Sünde des Verräters Judas? Und doch — wunderbarer Triumph der Gnade! — ist Petrus der Felsenmann, auf den Lhristus seine Kirche gegründet hat. Aber es bedurfte erst jener besonderen Gnadenhandlung am galiläischen Meere, durch die Petrus wieder den Auftrag bekam, die Lämmer und Schafe des guten Hirten zu weiden (Ioh. 2){, (5 ff.). So ziehen wir denn aus Petri Leben und Worten den Schluß, daß der natürliche Mensch, und wäre er auch der be-. fähigteste, mit seinem eigenen Denken und Wollen für die wirklich fördernde Reichsgottes-Arbeit gar keine Bedeutung hat; erst die Gnade Gottes schafft es, daß er etwas wirken kann zum Lobe Gottes und zur Ausbreitung seines Reiches. Darum aber auch weg mit allem menschlichen Verdienst und unseren sog. guten Werken und Gott allein die Ehre! 3. Aus dem Vorstehenden bereits dürfte sich ergeben, daß auch die Verehrung und Anrufung der heiligen, insbesondere der Mutter unseres Heilandes, wie sie von der römisch-katholischen Kirche gelehrt wird, nicht dem Sinne und Geiste des Petrus entspricht. Bemerkenswert ist die Thatsache, daß in beiden Briefen Petri der Name der Maria nicht ein einziges Mal erwähnt wird. Würde wohl Petrus, der seinen Lhristen einen sicheren Weg zur Seligkeit zeigen will, die Mutter des Heilandes ganz mit Stillschweigen übergangen haben, wenn er von ihrer Anrufung sich irgendeinen erheblichen Erfolg versprochen hätte? Die Fürbitte der Maria hat nach der heil. Schrift für das Kommen des Reiches Gottes keinen höheren Wert als diejenige eines jeden gläubigen Thristen. Maria gilt vor Gott überhaupt nicht" mehr als jeder gläubige Thrist. Wir folgern dies aus Thatsachen, die jedenfalls auch dem Petrus bekannt waren. Als auf der

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