Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Päpste betrachten sich als feine Nachfolger. Aber stimmt jene Airche mit ihren Einrichtungen zu dem Verhalten des großen Apostels, soweit wir solches nach der heil. Schrift als ein gottwohlgefälliges ansehen dürfen? \. In der römisch-katholischen Airche besteht seit Jahrhunderten das Verbot der Priesterehe. Unter dem Pontifikat Gregors VII. wurde auf der großen Synode zu Rom (1075) die Ehelosigkeit, die bisher nur für die Bischöfe allgemeine Sitte gewesen, während die niedere Geistlichkeit, besonders in Deutschland und in der Lombardei, der Mehrzahl nach verheiratet war, allen Alerikern zum strengsten Gesetz gemacht und den verehelichten Priestern bei Vermeidung der Exkommunikation auferlegt, ihre Frauen von sich zu thun. VOk voiitbt sich Petrus zu diesem Verbote der Priesterehe gestellt haben, wenn er dessen Erlaß erlebt hätte? Zweifellos würde er dasselbe gemißbilligt haben. Denn es steht nicht nur fest, daß er zur Zeit der öffentlichen Wirksamkeit des Herrn Ehristus verheiratet war odergewesen war l^Luk. 4,38), sondern auch, daß er späterhin auf seinen Missionsreisen seine Frau bei sich gehabt hat ((. Aor. 9,5). Auf Petrus kann sich also die römische Airche zur Rechtfertigung ihres Eheverbotes, das sich zunächst als eine Verletzung der göttlichen Schöpfungs-Ordnung darstellt, nicht berufen. Ja, wir gehen noch weiter und sagen, daß gerade Petrus durch sein geschildertes Verhalten ihr Eheverbot auf das entschiedenste verurteilt. Wäre wirklich das Verheiratetsein der Prediger des göttlichen Wortes etwas sittlich Verwerfliches, dann hätte auch Petrus sein Weib verstoßen müssen, Hat er dies nicht gethan, so bestätigt er die göttliche Schöpfungs-Ordnung und verurteilt ganz unzweideutig das fragliche Eheverbot. 2. Die römisch-katholische 'Airche vertritt den Satz, daß die guten Werke ihren ini Stande der.Gnade befindlichen Gläubigen das Himmelreich und die Vermehrung der heiligmachenden Gnade verdienen, und verurteilt Luther, weil er lehrt, daß der Glaube gerecht und selig mache. Wie verhält sich Petrus dieser Anschauung gegenüber? Gleich im ersten Aapitel seines ersten Briefes, in welchem er seinen Lesern die Herrlichkeit ihres Glaubens vor die Seele führt, ermahnt er sie eindringlich: „Setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung IEsu Ehristi." Er weist sie darauf hin, daß sie nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seien von ihrem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blute Ehristi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er schreibt ihnen, daß sie aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werden zur Seligkeit. Er erinnert sie daran, daß ihr Glaube durch mancherlei Trübsale bewährt werden soll, daß sie aber endlich, nach bewährter Treue, das Ende ihres Glaubens davon bringen sollen, nämlich der Seelen Seligkeit. Wie der feurige Sonnenball hoch droben am Himmelszelt gar nicht anders kann, als Licht und Wärme um sich her zu verbreiten und die schlummernden Aräfte in der Natur zum Leben und Wirken zu erwecken, so kann auch dev christliche Glaube nicht anders, als gottwohlgefällige Thaten hervor-^