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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 5 (1898) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
5 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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38 schwer. ZTtan ricfjtet uns im Bett mit Kiffen auf. Und nun wird uns der Ausdruck klar: „Die Augen brechen." Wir sehen nichts mehr. Sonderbar, wir haben noch Augen, aber wir sehen nichts. Wenn wir etwas wollen, so müssen wir mit den hände'n darnach tasten; aber nein, auch die Hände können wir nicht regen: sie hängen schlaff herab. Wir können noch hören, und wir hören sie flüstern: „Ist er tot?" Liner sagt: „Ich glaube, er atmet noch ein wenig." Sie kommen ganz nahe und lauschen erwartungsvoll auf den Atern. Lr ist kaum hörbar. Line lautlose Stille herrscht im Zimmer; nur die Uhr hört man ticken: wie die letzten Sandkörnlein eines Stundenglases. Jetzt ist der Augenblick da. Meine Seele wird vom Körper getrennt. Und wo bin ich nun: ein nackter, entkörperter Geist? Meine Seele, wenn deine Hoffnung wahr und gegründet ist, so bist du nun, wo du zu sein wünschest: in der Gemeinschaft deines Gottes und Heilandes. Du stehst mitten im Glanz der Herrlichkeit Gottes. Du siehst Ihn und wirst dich freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude (J[. Petri 8). Aber, ach, es gibt noch ein andres Bild: das Gegenstück zu diesem. Ich kann nicht versuchen, es auszuführen, ich will nur die rohen Umrisse entwerfen: eine unausgeführte Kreidezeichnung. Ihr liegt im Sterben; und wie schlecht und gottlos ihr auch gewesen seid, so habt ihr etliche, die an euch hängen und sich um euch versammeln. Ihr sprecht zu ihnen, obwohl ihr nicht mehr reden könnt, denn sie sehen in eurem Angesicht kalten Angstschweiß, starrende Augen. Sie sehen und merken, daß ihr eine Erscheinung habt von etwas, das ihr nicht kundzugeben wagt. Ihr sucht gefaßt zu sein. Der Arzt thut sein möglichstes, euch die Verdammnis leicht zu machen; er gibt euch Arznei und bemüht sich, euch Schlaf zu verschaffen. Und nun spürt ihr, daß ihr am Verscheiden seid. Lure Seele ist voller Angst und Schrecken. Düsteres Entsetzen und dicke Finsternis umgeben euch. Lure Augen brechen. Luer Herz und euer Fleisch versagt euch den Dienst. Aber kein gütiger Lngel ist da, um euch zuzuflüstern: „Friede! harre nur!" Kein Geleite von Lherubim, um eure Seele geradeswegs in jene Welten der Freude und Wonne hinüberzutragen. Ihr spürt, daß das Geschoß des Todes vergiftet ist, daß es eure Adern verpestet hat, daß ihr schon den Zorn Gottes empfindet, ehe ihr nur an den Ort gekommen seid, wo ihr ihn in seiner ganzen Fülle schmecken müßt. „Ach, daß er wäre weise gewesen und hätte solches vernommen, daß er verstanden hätte,' was ihm hernach begegnen würde!" Liebe Zuhörer, ich hoffe, daß es mit euch nicht so steht, sondern daß ein jeglicher im Sterben Hoffnung haben, die Unsterblichkeit erlangen und auffahren wird zum Throne Gottes. Wenn ihr in eurem Herzen einen Lindruck spürt, einen ernsten Gedanken empfindet, so will ich euch entlassen mit diesem Ausspruch: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." Glaubet, d. h. vertrauet, vertrauet auf den Herrn Iesum, so werdet ihr selig. Möge Gott der heilige Geist euch zubereiten, daß ihr jetzt auf ihn vertrauet, denn für viele unter euch gilt's: Jetzt oder nie. (Aus einer predigt von £. Sxurgeon.)

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