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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 5 (1898) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
5 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 Am 20. Dezember folgte eine englisch - evangelische Missionsarbeiterin, die Gattin des Missionsarztes der £. 3 -M. in Safeb, Frau Anderson, dem deutschen Prediger im Tode nach. Sie entschlief in dem von dem Jerusalemer Bischof Blyth gegründeten englischen Hospital zu paifa. Die Beisetzung der Leiche erfolgte am 2\. Dezember. Auch Frau Anderson starb in jugendlichem Alter. Sie hinterließ zwei Rinder, die noch so klein sind, daß sie nicht wissen, einen wie schweren Verlust sie erlitten haben. Ihr Mann besaß an ihr eine treue Gehilfin, die mit klarem und teilnehmendem Geist auf alle seine Pläne und Arbeiten einging. In einem aus Safed stammenden Nachruf heißt es: „Die Blume unseres hiesigen Missionsstabes wurde von unserm himmlischen Vater gepflückt, um, wie wir fest glauben, im Paradiese zu blühen. Jeder, welcher die Verstorbene kannte, trauert. Das gilt von Lhristen, Juden und Muhammedanern. Sie war in jeder Einsicht eine anziehende Persönlichkeit und besaß hohe Geistesgaben, aber der Hauptzauber, der sie umgab, bestand in ihrer ruhigen, selbstlosen Freundlichkeit. Das Geheimnis dieses Zaubers war ihr schöner christlicher Tharakter. Sie drängte ihre Religion nie auf, aber diese offenbarte sich fast in allen Handlungen und Blicken. Der Tod hatte für sie keinen Schrecken oder Stachel." Als man sie nach ihrer Erkrankung wegen ihrer Ergebung in Gottes Willen, ihrer Seelenruhe und Glaubenskraft glücklich pries, antwortete sie: „Das sind Früchts vieler Gebete." Einst sagte sie unter heftigen Atmungsbeschwerden: „Wären alle unsere Äräfte unaufhörlich Gott geweiht und fühlten wir seine Nähe jeden Tag mehr, so wäre das Leben eine einzige lange Melodie." Die beiden frischen Gräber am Aarmel mahnen uns eindringlich, unsere vielleicht nur kurze Lebenszeit in wahrem Gottesdienst und in Gott wohlgefälligem Menschendienst recht auszunützen. Dem letzter Tag. Denkt euch einen Augenblicks euer letzter Tag sei gekommen. Die Sonne geht auf. „Macht die Fensterladen auf I Ich möchte die Sonne noch einmal sehen. Dies ist mein letzter Tag!" Die Ärzte flüstern zusammen. Ihr erlauscht einige Silben und erfahrt, daß euer Zustand hoffnungslos ist. „Er mag noch zwölf Stunden leben," spricht der eine, „aber ich erwarte kaum, daß es noch so lange dauert. Sie würden am besten seine Freunde und Verwandten kommen lassen, daß sie ihn noch einmal sehen können." Ja, und nun fange ich an zu fühlen, daß mein Stündlein kommt. Sie stehen um mein Bett her. „Lebt wohl, ihr alle! Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Meine Hoffnung ruht unerschütterlich fest auf Jesu Ehristo. Ich befehle euch Ihm, der ein Vater der Witwen und Waisen ist." Der Augenblick kommt immer näher. Und nun verweigern die Lippen ihren Dienst. Wir sollten noch etwas mitteilen: ein letztes Wort an die Gattin. Wir murmeln durch die geschloffenen Zähne, aber kein verständlicher Laut wird gehört, kein Wort, das man deuten könnte. Wir atmen

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