Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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! 36 Menschenwort. Rücke die deutsche Christenheit doch dem echten Wort, da; Gott gesprochen hat, wenigstens näher!" So schrieb einst der Lutheraner Tlaus Harms. Seinem Verlangen nach einer anerkannten berichtigten Übersetzung der Bibel wurde zwar neuerdings entsprochen. Indessen bleibt immer noch manches zu thun übrig, wenn der ursprüngliche Sinn genau wiedergegeben werden soll. Einen neuen Versuch in dieser Richtung stellte bezüglich des 2. Teils der Bibel <£. Stage an. Sein in der Universalbibliothek von PH. Reclam jun. zu Leipzig erschienenes N. T. (568 S., geb. j,50 Ulk.) besitzt unstreitig große Vorzüge. Statt der üblichen, sinnstörenden, mit der Verszählung verbundenen Textzerreißung findet sich hier ein zusammenhängender, nur nach innern Gründen abgeteilter, bei den Hauptabschnitten mit Überschriften versehener Text. Die Sprache ist die der Gegenwart: verständlich „und (von unschönen Einzelheiten abgesehen) gefällig. Die Treue der Übersetzung verdient im ganzen Lob. Auch die erläuternden Zusätze und Anmerkungen sind teilweise wertvoll. Leider ist aber Stage auf den unglücklichen Gedanken gekommen, seiner Übersetzung und Erklärung Auszüge aus der sog. Einleitungswissenschaft beizufügen. Da er hierbei recht unkritisch verfährt und manche von Einsichtsvollen längst abgethane Behauptung wieder aufstellt, führt er seine Leser vielfach irre. Eine Probe der Flüchtigkeit, mit welcher er auf diesem Gebiet arbeitet, giebt der Satz S. 8, daß das H. Evangelium über seinen Verfasser nichts enthalte (vgl. Ioh. 2(, 2H). Gegenüber den Bemerkungen S. HH7 betreffs unechter heiliger Schriften verweisen wir auf Tertullians Erzählung von der Amtsentlassung des kleinasiatischen Presbyters, welcher den Roman „Paulus und Thekla" schrieb. Unbedingt empfehlen können wir nach dem Gesagten Stages Arbeit nicht. Aber jeder, der imstande ist, sie selbständig zu prüfen, wird sie mit Nutzen gebrauchen. Den hier streng durchgeführten Grundsatz der sinngemäßen Texteinteilung sollten alle Bibelgesellschaften befolgen. Die Verszahlen müßten allerdings beibehalten werden. Am Fuß des Berges Karmel liegt der schöne Gottesacker der bei Haifa vorhandenen deutschen Ansiedlung. Im Dezember (898 fanden hier 2 Leichenfeiern statt, welchen eine missionsgeschichtliche Bedeutung eignete. Am (6. Dezember wurde der in der Frühe desselben Tages entschlafene Pastor Bauermeister begraben, welcher 'im Auftrag des Ierusalemsvereins seit der Aarwoche des Jahres (897 der kleinen deutsch-evangelischen Gemeinde in Haifa gedient hatte. Bauermeister erreichte nur ein Alter von 3( Jahren und 2 Monaten. Sein frisches, offenes und bescheidenes Wesen, besonders aber der Eifer und dis Treue, mit denen er Seelsorge übte, sichern ihm ein gutes Andenken. Sein Tod, die Folge eines heftigen Ruhranfalls, scheint ihm nicht unerwartet gekommen zu sein. Gedanken an das Ende beschäftigten ihn in den letzten Lebenswochen öfters. Am Abend vor seinem Abscheiden beantwortete er die Frage seiner Gattin: „Gehst Du gerne zu Deinem HEiland?" mit einem leisen, aber deutlichen „Ja".