Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Gottes, eine Religion mit einer glorreichen Vergangenheit, aber so, wie sie heute ist, mit wenig Hoffnung für die Zukunst. Wir Juden bewegen uns auf den alten Bahnen unserer Vorfahren weiter, aber machen keine Fortschritte. „Was ist denn die Bedeutung des wohl ausgearbeiteten Zeremonialgesetzes, welches unfern Vätern gegeben wurde? War es nur eine leere Form, die man Jahr ein Jahr aus beobachten sollte? Wir glauben dies nicht. Nein, es muß auf ein größeres Ereignis in der Zukunft hingedeutet haben. „Weiter fragen wir: Worauf weisen denn die Propheten hin? Wir modernen Juden haben uns gewöhnt, die Prophezeiungen in unserer eigenen willkürlichen Weise zu deuten und ein großes Gewicht auf das zu legen, was unsere Rabbiner sagen. Unsere Väter thaten das nicht. Sie mißtrauten entweder den Propheten oder hofften auf die Erfüllung ihrer Verheißungen. Wir Juden der modernen Zeit haben alle Hoffnung auf die Zukunft aufgegeben. Seit den Tagen Ehristi ist kein einziger Prophet unter uns aufgestanden, der Jesum als einen Betrüger bezeichnet Hätte, und. seitdem sind mehr als t8 Jahrhunderte verflossen. Wir sind genötigt anzuerkennen, daß das Gesetz allerdings in Ehristo erfüllt worden ist. „Außer dem allen bezieht eine unserer höchsten Autoritäten, das Targum, das 53. Aapitel Jesajas auf den Messias. Manche andere alte Schriften, wie Tanchuma und Siphre, befolgen die gleiche Art der Auslegung, und alle haben ihre Erfüllung in Ehristo gefunden. Es ist eine gemeine Rede unter uns, daß eine Person wie Jesus Ehristus nie gelebt habe, daß er das fabelhafte Erzeugnis eines griechischen Schriftstellers fei, aber noch keiner hat uns einen einzigen Beweis dafür gegeben, daß Ehristus nicht gelebt und auf der Erde nicht gewirkt habe, während eine Fülle geschichtlicher Thatsachen es uns beweist, daß er gelebt hat und gerade in der Zeit gekommen ist, wo das jüdische Volk die Ankunft seines Messias erwartete. „Wenn Ehristus wirklich der Sohn Gottes war, dann bieten sein Tod und seine Auferstehung keine Schwierigkeiten dar. Im Lichte des fast zwei Jahrtausende bestehenden Lhristentums soll man nicht bloße Behauptungen aufstellen, sondern es werden Beweise gefordert." Am Schluß dieser Erklärung, welche der Westdeutsche Verein für Israel in einem eigenen Flugblatt verbreitet, versprechen die Verfasser, demjenigen zu folgen, der ihnen beweisen könne, daß der Messias noch nicht erschienen sei. Aber ein solcher Beweis wird nie erbracht werden. Für den Zweifel, von dem die drei Verteidiger hier reden, und für den Unglauben des Angreifers giebt es nur scheinbare Stützen, wogegen unser Glaube in Wirklichkeit fest gegründet ist. Stages Neues Testament. „Wir geben die Schrift nach Luthers Übersetzung für Gottes Wort, und alle Theologen sind einverstanden, dies und das sei bloßes