Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 4 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Raum zu verschaffen. Renan phantasiert auch auf andern Gebieten. Dahin gehört seine Behauptung, daß der Monotheismus eine Naturanlage der Semiten sei. Daß er dies nicht ist, zeigt das Heidentum vieler Semiten, z. B. der Araber vor Muhammed. Nicht einmal als eine Naturanlage Israels kann er angesehen werden: man denke an die Rümpfe, welche die Propheten dieses Volkes mit dem letzteren zu führen hatten, da es immer wieder zur Vielgötterei neigte. Aber derartige Phantasieen sind harmlos gegenüber der Geschichtsfälschung, die Renans Einbildungskraft auf dem Boden der heiligsten Geschichte verbrochen hat. Wieviel Unheil mag von diesem elenden Machwerk ausgegangen, wieviele unbefestigte, namentlich jugendliche Gemüter mögen durch dasselbe um den höchsten Schatz der Seele gebracht worden sein! Freilich mußte doch auch hier wie früher bei D. Fr. Strauß der Ansturm des Unglaubens zuletzt zur Stärkung des Glaubens dienen. Jeder neue Feind führt die Rirche in der Erkenntnis des Heils wieder einen Schritt vorwärts. Was die Menschen böse zu machen gedachten, das macht Gott wieder gut. Den von Renan aufs neue gekreuzigten, getöteten und begrabenen HEiland hat Gott aufs neue aüferweckt. Auf die Vernichtung des sittlichen Lharakters ILfu sind viele Ehrenrettungen, auf die Leugnung seines übermenschlichen Ursprungs viele Verteidigungen gefolgt. Denen gegenüber, die Renan als eine Autorität auf dem Gebiet der orientalischen Wissenschaft verehren, führen wir Franz Delitzsch an, der doch als Gelehrter wie als Mensch viel höher dasteht. Dieser deutsche Orientalist sagte: „Ich habe mich Jahrzehnte lang mit der Geschichte und Literatur des Volkes beschäftigt, aus welchem IEsus hervorgegangen ist, aber um so mehr habe ich mich auch überzeugt, daß das, was er war und der Welt geworden ist, sich nicht aus dem Zusammenhangs seiner Zeit und Lebensverhältnisse heraus erklären und begreifen läßt. Man mag die Zustände seiner Zeit und die Beschaffenheit seines Wohnlandes sich noch so nahe bringen: immer wallt er durch diese Zeitlichkeit wie eine geheimnisvolle Gestalt, immer hebt sich sein Bild in unvergleichlicher Erhabenheit von der Staffage seiner Gegenwart ab." Daß Professor Delitzsch keine andere Deutung des über IEsu liegenden Geheimnisses als die im N. T. gegebene für richtig hielt, daß er also IEsum als die Verkörperung Iehovahs anbetete, darüber hat er uns nie im Zweifel gelassen. — Ein Israelit behauptete, infolge der Beschäftigung mit Renans Werk IEsum liebgewonnen zu haben. Aber den wahren Erlöser kann man so nicht liebgewinnen, weil er bei Renan überhaupt nicht zu finden ist. Verlaßt die trübe Quelle, o ihr bethörten Wahrheitserforscher, und schöpfet aus dem reinen Brunnen des N. T., damit in euch wirklich ein Bild von dem Gottessohn und Wellheiland entstehe, welcher, nicht von der öffentlichen Meinung, sondern von dem Willen seines himmlischen Vaters bestimmt und geleitet, das Werk der Rettung des sündigen Menschengeschlechts vollbracht hat!