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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 4 (1898) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
4 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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26 aufgefundene Gravitationsgesetz, nach welchem die Lonne die Planeten, die Erde den Mond anzieht, kann dem Forscher nicht genügen. Auch dies Gesetz setzt einen Gesetzgeber voraus, wie jede Ordnung zuletzt auf einen Ordner hinweist. Wer die das Weltall beherrschende übernatürliche Araft leugnet, gleicht dem Thoren, welcher eine schön gebundene Bibel als ein Erzeugnis des Zufalls, d. h. des ungewollten Zusammenwirkens von Typen, Druckerschwärze, Papier, Leim u. s. w., hinstellt. Aber auch die kleine Welt, in welcher ein frommer Ehrist auf Erden lebt, ist eine Wunderwelt. Vieles geht hier nicht mit natürlichen Dingen zu. „Hier ist ein Wunder geschehen," äußerte ein Arzt, welcher von der plötzlich eingetretenen Besserung des Befindens einer kranken Frau Zeuge war. Nach den Regeln der Wissenschaft hätte die Aranke sterben müssen. Statt dessen genas fie. Ein Arzt, der alle menschlichen Ärzte überragt, verlängerte ihr Leben und erhörte so das Gebet, welches der geängstigte Gatte mit seinem Ainderhäuflein vor ihn gebracht hatte. „Hier ist ein Wunder geschehen," heißt es ein andermal, wenn eine innere Arankheit vor der Gesundheit die Flucht ergreifen, wenn z. B. Unfriede oder Verzweiflung vor dem Gegenteil weichen mußte. In tausend Fällen erscheint dem natürlichen Denken eine Sinnesänderung unmöglich, wie denn auch die natürliche Araft sie nie bewirken könnte, und doch erfolgt sie. Dem allmächtigen Gott ist eben alles möglich: er kann ein verkehrtes Herz bekehren. Angesichts der Wunder, die wir selbst erleben, zweifeln wir nicht von vornherein an der Thatsächlichkeit übernatürlicher Dinge in der Geschichte IEsu, sondern wir hegen vielmehr die Erwartung, daß das heiligste von allen Gotteskindern erst recht in einer Wunderwelt gelebt habe. Ein Wunder mußte der Erlöser der Weissagung gemäß in seiner Person darstellen. Wunder mußte er aber auch vollbringen, um sich als den Verheißenen zu beglaubigen. 2. Renans „Leben IEfu" ist ferner ein Gewebe von Irrtümern, weil der Verfasser die Bedeutung der vier ältesten Biographen IEsu verkennt. Zwar mißt er diesen einen höheren Wert bei als D. Fr. Strauß. Sein Buch zeigt einen Fortschritt über das \835 von dem letzteren erschienene Werk, welches den gleichen erhabenen Gegenstand behandelte. Während Strauß fast alles in Mythen oder Dichtungen der ältesten Ehristengemeinde auflöste, wagte Renan es nicht, in dieser Weise der Macht der Geschichte zu trotzen. Er hielt dafür, daß die Evangelisten im allgemeinen Recht hatten, wenn sie IEsum als ein außerordentliches Wesen schilderten. Der von IEsu ausgegangenen gewaltigen Wirkung muß eine gewaltige Ursache entsprechen, sagte er sich. Auch betrachtete er die Evangelien als Denkmäler der apostolischen Zeit. Aber bei alledem sind diese durch äußere und innere Zeugnisse bestätigten Schriften nur Spielbälle für seinen echt französischen Geist. Er benutzt sie mit der größten Willkür. Wie er als Philosoph das Übernatürliche leugnet, so leugnet er als Bibelkritiker die Ordnung, Übereinstimmung und wesentliche Vollständigkeit der vier evangelischen Berichterstattungen. Nun können wir wohl zugeben, daß jeder Evangelist

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