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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 3 (1898) · page 5

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Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
3 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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äußere Not, Leiden und Anfechtungen kam. Ach, wie köstlich und teuer wurden mir die Psalmen! Wieviel Trost, Licht und Labung teilten sie mir mit! Der Weg war mir nicht nur oft verschwunden, sondern selbst die Spur des Weges, ich faß wie vermauert und versteinert; ein Wort aus dem Gesangbuch war mir Sonnenblick. Ich setzte mich wie eine Lerche auf die Fittige dieses Adlers, flog, durch ihn getragen, auf den Felsen und sah von da die Welt mit aller ihrer und meiner Not unter mir. Ich lernte in Davids Geist denken, schließen, trauern, beten, harren und hoffen. Die Psalmen sind mir nun nach den Schriften des Neuen Testaments mein liebstes, wichtigstes Buch, mein goldener Spiegel der seligsten, fruchtbringendsten Aenntnisse und Erfahrungen meines Lebens. Sie völlig zu verstehen, wird ein Geschäft der Ewigkeit und alsdann unser zweites Leben die Erläuterung darüber fein." — Mit Bezug auf das ganze A. T. erklärte Dr. Martin Luther: „Wir sollen das Neue Testament aus dem Alten lernen gründen und den unnützen Schwätzern nicht Glauben geben, die das Alte Testament verachten und sprechen, es sei nicht mehr vonnöten; so wir doch allein daraus müssen den Grund unsers Glaubens nehmen, denn Gott hat die Propheten darum zu den Juden gesandt, daß sie von dem künftigen Ehristo sollten Zeugnis geben. Daher haben die Apostel allenthalben die Juden überweist und überwunden aus ihrer eigenen Schrift, daß dieser IEsus, den sie verkündigten, Ehristus wäre." — Aus neuerer Zeit führen wir ein Urteil des Tübinger Theologen Ehr. Palmer an: „Nie find die Prediger vom neutestamentlichen Ton und Geiste mehr abgefallen, als da sie es verschmähten, ihren Pinsel in die Farben des Alten Testamentes, dieses Morgenrots im Reiche Gottes, zu tauchen. Damit ist nicht verlangt, wie Schleiermacher unnötigerweise von alttestamentlichen predigten befürchtet, daß man in das Alte Testament mehr hineintrage, als darin liegt, und das man es neutestamentlich mache. Das Alte Testament soll vielmehr Knospe bleiben und nur deren Aufblühen im Neuen Testament nachgewiesen werden, und zwar so, daß sich die Seele an beidem labe und ergötze." Audiatur et altera pars. Als Oberrabbiner in Dresden schrieb Zacharias Frankel am 6. Februar j(8^3 an den preußischen Minister Eichhorn: „Das Iudenmissionswefen ist in Preußen am ausgebreitetsten und verzweigtesten. Ich erblicke in diesen Missionen eine Herabwürdigung des Glaubens, für den angeworben, und einen unverantwortlichen Eingriff in den Glauben, von dem abtrünnig gemacht werden soll. Es spiegelt sich in diesen Verführungen das Bild der moralischen Folter ab; es wird durch sie Unfriede und Unheil in den Schoß der Familien ausgestreut und die Gewissensruhe untergraben; und da man eine Reziprozität nicht zugesteht (und die Synagoge würde auch hiervon keinen Gebrauch machen, würde Bekehrungen solcher Art mit dem tiefsten Unwillen zurückweisen), so gilt dies System nur der gedrückten und verachteten Synagoge. Auch diese Schmach muß abgethan werden, wenigstens muß dem angegriffenen Teile die Abwehr freistehen; und ich werde

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