Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1898-01-01 · 3 (1898) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
3 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2554541-2555128-2555131--09895-2566097
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

20 Mutter, die ihm gefolgt war, wie sie ihm während seiner ganzen Regierungszeit mit ihren hohen Geistesgaben gedient hatte. Eine tiefere Einsicht in das Verhältnis zwischen Judentum und (Christentum gewann der menschenfreundliche Philosoph im Raisermantel nicht. Wie schade ist es, daß nicht außer den Rechtsgelehrten Ulpian und Paulus auch Christen wie Origenes oder Tertullian zu seiner näheren Umgebung gehörten! Er hätte dann erkannt, daß die alte Weissagung Noahs innerhalb der Üirche in Erfüllung geht, nach welcher Iapheth in Sems Zelten wohnen soll. . Das heil, welches die Christenheit genießt, kommt ja von den Juden. Die Sonne der Gerechtigkeit, die uns leuchtet, ist im Morgenlande aufgegangen: nicht in Syrien, wo der falsche Sonnengott des heliogabal verehrt wurde und der Raiser, der Juden und Christen liebte, zu Hause war, nicht in phönizien, dem heimatlande des großen Ulpian, sondern in Palästina, dem von Gott hochgeachteten Erblande des auserwählten Volkes Israel. Christliche Lobredner des Alten Testaments. Ein ungenannter Arzt schrieb W6 im „Nachbar": „Alle Wissenschaft ist nur das Lallen und Stammeln des halbträumenden Rindes gegen die hohe Wissenschaft, Weisheit und Wahrhaftigkeit, die mit eherner Stimme wie Glockenton herausspricht aus dem alten, so viel verachteten, so wenig verstandenen ersten Buche Moses, welches ganz zu verstehen auch ich mir nimmer herausnehme, dessen heiliger Ernst und Gottesweisheit mich aber in die unergründlichen Tiefen der Wahrheit hineinlockt." — Der bekannte Geschichtsschreiber B. G. von Niebuhr pries die Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit der a. t. Geschichlserzählung mit folgenden Worten: „Ganz allein das Alte Testament macht (vor allen andern Geschichtswerken) von der patriotischen Unwahrheit eine Ausnahme. Nie verhüllt und verschweigt es ein Unglück des Volkes, dessen Geschichte in ihm dargestellt ist. Seine Wahrhaftigkeit ist die höchste in der Geschichtsschreibung, auch für den, der an keine Inspiration glaubt. Zugleich aber muß ich für das A. T. wie die unbedingte Wahrhaftigkeit, so auch die genaueste Richtigkeit unter allen Geschichtsquellen in Anspruch nehmen." — Uber die Psalmen sagte der württembergische Staatsmann I. I. Moser, der auf dem Hohentwiel als Unschuldiger 5 Jahre lang gefangengehalten wurde: „Wer nie in großer, anhaltender Leibes- und Seelennot gewesen, der versteht die Psalmen nicht, weiß nicht, was er eigentlich damit machen soll. So ging's mir viele Jahre lang. Ich meinte freilich, die Worte zu verstehen, sie blieben mir aber immer ein verschlossenes Buch. Ich mochte sie lange Zeit garnicht mehr lesen. Das Schreien aus der Tiefe, die himmelhohen Rlagen hielt ich nicht gerade für bloße Poesie, aber doch für überspannte Empfindungen, und das Racheschreien über die Feinde empörte mich. 'Welch ein Schatz von Erfahrung, welche lichtvolle Weisheit, tiefe, innigste, ausgebreitetste Aenntnis des menschlichen Herzens darin liege, dies habe ich erst erfahren und Gott für die Psalmen danken gelernt, da ich selbst in schwere innere und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.