Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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zu ihr", fährt er fort, „kann uns wiederbeleben. Wir müssen der Bibel wieder die Stellung geben als Führerin und Richterin, als Text unseres Lebens. Die Bibel muß in den Mittelpunkt der jüd. Wiffenschaft und des jüd. Unterrichts treten, [um von da in das jüd. Haus einzuziehen." Die Notwendigkeit einer eigenen jüd. Bibelwissenschaft ergiebt sich nach 3aus der Beschaffenheit der heute herrschenden Wissenschaft des A. T. Tr verwirft die christlich dogmatische, aber auch die gewöhnliche kritische Auffassung des letzteren. Ja, die kritische erscheint ihm als ein noch gefährlicherer Irrtuni, da sie auf einer unzureichenden Grundlage beruht, in den schwersten Borurteilen befangen und ein Tummelplatz der größten Willkür ist. Das der kritischen Geschichte zu Grunde liegende Prinzip der Entwicklung hält 3für falsch. Die Bibelkritik ist ihm übrigens ebenso sehr wie die altprotestantische Auffassung eine christliche Wissenschaft: „der verlorene Sohn der christlichen Theologie." Die jüd. Wissenschaft von der Bibel soll eine neue Lebensquelle eröffnen. Die Fernhaltung von der Bibelforschung ist „eine Frucht der Angst vor ihren Ergebnissen, der eingestandene Bankrott." /,Wir müssen uns arrangieren, bevor wir ausrangiert werden." Ohne auf die weiteren Darlegungen des Vortrags einzugehen, sprechen wir unsere Freude darüber aus, daß die jüd. Theologie zur Erkenntnis der Notwendigkeit regerer wissenschaftlicher Arbeit aus dem Boden des A. T. erwacht, Hier ist noch viel zu thun, und gerade sie sollte und könnte manches leisten. Aber wir bedauern es, wenn Or. 3die verschmäht, welche das N. T. dem Erforscher des A. T. gewährt. Der beste Erklärer eines königlichen Erlasses ist der Aönig selbst. So erschließt sich uns das richtige Verständnis des ersten Teils der Bibel, wenn der göttliche Urheber desselben es uns im zweiten Teil durch Ehristum und die Apostel schenkt. Solange Dr. 3. die Lösung der Rätsel des A. T., die wir dem N. T. verdanken, nicht annimmt, wird sich seine wissenschaftliche Arbeit nur auf der Oberfläche bewegen und nicht in die Tiefe dringen. Der von ihm und vielen andern bekämpfte urckristliche Standpunkt ist eben doch der richtige: „Das A. T. ist die Ahnung, das N. T. die Gewißheit, das A. die Vorbereitung,' das N. die Vollendung, das A. die Weissagung, das N. die Erfüllung. Gewißheit, Vollendung und Erfüllung sind erschienen in IEsus von Nazareth, dem Ehristus, dem HEiland der Welt. Das Gesetz war ein Zuchtmeister auf ihn, die Propheten verkünden ihn, die Psalmen sind die Stimmen der nach ihm sehnsüchtigen Kerzen." Gott lasse dies auch Dr. 3erkennen! Übrigens wurde sein Vortrag seither in derselben jüdischen Zeitung 0(898, Nr. ^9) heftig angegriffen. Jur Erinnerung an die deutsche Kirchrveihe in Jerusalem hat der tzofbuchhändler Heinr. Grund in Berlin (Motzstr. $) eine prächtige Ausgabe des Neuen Testaments in Quartformat veranstaltet. Als Mitarbeiter dienten ihm 2 akademische Lehrer, die sich als Archäologen bekannt gemacht haben: N.-Müller und I. Benzinger. Der