Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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95 sie Frevler ins Verderben, hier laden sie Bekümmerte und Verzweifelnde ein, neuen Blut zu fassen, weil ihnen der Helfer naht. Dort dienen sie der menschlichen Zünde, hier der göttlichen Gnade. In jenen beiden Fällen wird unser Blick auf ein schauriges Höllenthal gelenkt, in diesem sehen wir in ein liebliches Himmelreich hinein. Wachnacht und Weihnacht. Am letzten Tage des Laubhüttenfestes feiert Israel den sogenannten wachnachtgottesdienst. Nach rabbinifcher Lehre öffnet sich in dieser Nacht der Fimmel. Daher verbringen die frommen die ganze Nacht wachend. Sie bleiben in den Synagogen beisammen und lesen in der h. Schrift, hoffend, daß sich bei dem nächtlichen Gottesdienst auch ihnen der Fimmel öffne. — In der Nacht der Geburt ILsu hat sich lhatsächlich der Himmel geöffnet. Lngellippen verkündeten sündigen Menschen die beglückende Botschaft: „Luch ist heute der HLiland geboren." In Gottes Bild und nach seiner Ähnlichkeit war Adam geschaffen worden. Nicht nur abhängig von, sondern gleichförmig mit dem Schöpfer, sollte er durch die Zeit gehen, um auszureifen für die Ewigkeit. Da trat die Sünde zwischen Schöpfer und Geschöpf. Das göttliche Abbild büßte feine Herrlichkeit ein. Ls vertauschte die Geisteswelt mit der Fleischeswelt. Aber es sollte nicht ewig eine Beute des Verführers, ein Opfer der Sündhaftigkeit und Sterblichkeit bleiben. Die Propheten Israels weissagten von einer Herzenserneuerung in einem neuen Bunde, den Gott mit seinem Volk schließen würde. In der Weihnacht erschien der auf Lrden, der das unerschaffene Ebenbild Gottes war, in dem sich Gottes Weisheit, Heiligkeit und Seligkeit abspiegelte, der den Siegelabdruck des höchsten an sich trug. Dieser Gottessohn bewährte sich in der bei seiner Menschwerdung übernommenen Natur und wurde so der Mittler des neuen Bundes, das edle Proxfreis, welches den verwilderten Baum wieder veredelt. Wer an ILsum, den Bethlehemiten, glaubt und sich in sein Bild verklären läßt, über dem öffnet sich täglich der Fimmel. Kleine WWonszeiLurig Die Berliner Gesellschaft z. B. d. L. u. d. I. feierte ihr 75. Iahresfeft. Linen Überblick über ihre bisherige Arbeit giebt die von P. Bieling verfaßte Festschrift ,,Die Juden vornehmlich" (67 S. 50 Pf.). Sie führte binnen 75 Jahren 692 Israeliten zur Taufe, durfchnittlich 9 in einem Jahr. Unter den Täuflingen von *897 befand sich eine Opernsängerin, die über einer idealen Auffassung der Kunst in Christo das höchste Ideal erkannte und jetzt das Bühnenleben mit einem ihren christlichen Anschauungen mehr entsprechenden Beruf vertauschen will. Line andere Getaufte, eine Erzieherin, hatte in dem Hause eines armenischen Kaufmanns in Moskau „und in den Gottesdiensten einer dortigen evangelischen Gemeinde die Anregung zum Übertritt empfangen. Besonders ergreifend war die Taufe einer Taubstummen, deren Unterricht natürlich viele Schwierigkeiten verursacht hatte. Die Missionare Löwen und Gottlieb machten auf ihren Reisen manche erfreuliche Erfahrung. Lin Beamter verkündigte ILsum, den er als „unfern Bruder" feurig liebt, in der Synagoge. Lin Oberlehrer gestattete, daß in seinem Hause mehrere Abende nacheinander Vorträge über Lhristi Person und werk gehalten wurden. Den Zionismus sehen beide Missionare als Israels Erwachen aus seinem Geistesschlaf an. Der Berichterstatter, P. Bieling, warnt vor übertriebenen Hoffnungen. — Der Leipziger Lentralverein f. M. u. I. will einen dritten Missionar nach Galizien senden. Line weitere Unterstützung der vortragsthätigkeit von Di*. I. Müller soll nicht erfolgen. Anstelle des nach Kopenhagen zurückgekehrten Professors Buhl wurde fein Nachfolger, Professor Kittel, ins Direktorium berufen. Auch an dieser Mission ging der Zionismus nicht spurlos vorüber. „Die Hoffnungen dürfen nicht zu hoch gestellt werden," lesen wir im Jahresbericht, „weil die Bewegung Gott den HLrrn ganz aus dem Spiele läßt, wohl aber dürfen wir uns der Hoffnung hiugeben, daß das erwachende Nationalbewußtsein zur Erkenntnis der Nationaljchuld mitführen wird, daß gerade die Schwierigkeiten, die sich der Erreichung ihres Endzieles in den weg stellen werden, manchen die Augen öffnen werden." — Daß die italienische Waldenserkirche hie und da auch Israeliten anzieht, ersieht man wieder (vergl. D. L. P97, S. 96) aus einem Bericht ihres Pfarrers in Verona.