Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1898-01-01 · 12 (1898) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
54 (1898)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2554541-2555022-2555034--09869-2566069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

94 die schönsten Anknüpfungspunkte für ihre Lehren dar. Sie redet aufgrund ihrer eigenen heiligen Urkunden und aufgrund der heiligen Schriften Israels von der herrlichsten und höchsten Offenbarung der Gottheit innerhalb der Nkenschheit, über welche letztere sich die Nacht des Irrtums und der Sünde herabgesenkt hat. „Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der HErr, und feine Herrlichkeit erscheint über dir." Immanuel nennt Iesaia das mit Durchbrechung der Naturordnung in die Welt eintretende Gotteskind, welches die ihrem Schöpfer entfremdeten Geschöpfe zu demselben zurückführen soll. Der „Gottmituns" überwindet den Tod und bringt das Leben zur Herrschaft. VOas hätte die Airche davon abhalten können, den Lebensbaum des heidnischen Iulfestes, den Herold U)uotans, in den Dienst des Gottessohnes zu stellen, von dem es heißt: „Das Wort, welches Leben und Licht war, ward Fleisch und wohnte unter uns"? Und so kommt denn auch diesmal wieder „der schönste Baum, den wir auf Erden kennen," am Weihnachtsfest zu uns, um uns zu predigen: ,,Der HErr wird des Armen nicht so ganz vergessen, und die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein." Wie Gott einst zu der von ihm festgesetzten Zeit seine Verheißungen verwirklicht und den ersehnten Friedefürsten und Himmelskönig gesandt hat, so will er auch jetzt in dem Ainde von Bethlehem, in dem Auserwählten, dessen Ankunft auf Erden wir zu Weihnachten feiern, heil und Segen verbreiten. Auch heute bietet er in ihm den Irrenden die Wahrheit, den Sündern die Vergebung, allen Betrübten himmlische Tröstungen an. Aber nicht nur eine predigt über das Weihnachtsevangelium hält uns der wandelnde Wald der Weihnachtsmärkte: derselbe läßt uns auch des Weihnachtsgesetzes gedenken. Nimm dankbar das göttliche Geschenk an! ruft er uns zu. Werde selbst ein immergrüner Baum, eine Pflanze zum Lobe des höchsten! Wie der Einzelne, so kann auch unsere kranke Zeit nur dann genesen, wenn gegen ihre Schäden das nunmehr $00 Jahre alte, tausendfach bewährte Heilmittel der christlichen Lehre gebraucht wird. Im Jahrhundert errichtete man die treuga I)6i, den Gottesfrieden, und die Airche zwang die rohen Gemüter, anfangs einige Tage der Woche, später einige Wochen im Jahre der Fehdelust zu entsagen. Aaiser Maximilian ging weiter und führte den allgemeinen Landfrieden ein. heutzutage ersehnen und erstreben manche edle Seelen ein noch köstlicheres Gut: den allgemeinen Weltfrieden. Die Hauptsache aber ist der Herzensfriede. Wo er sich findet, folgt der äußere von selber nach. Wan erlangt ihn auf keinem Wege, der um die Arippe von Bethlehem herum- und an ihr vorbeiführt. Der Weihnachtsbaum erinnere uns aufs neue daran, daß der wahre Friede uns als Geschenk von dem beschert werden muß, bei dessen Geburt die Engel des Himmels sangen: „Friede auf Erden!"— Von zwei gewaltthätigen Usurpatoren erzählen uns die wandelnden Wälder von: Zalmon und von Birnam: von einem rechtmäßigen, gerechten und sanftmütigen Aönig hören wir den wandelnden Wald der Weihnachtsmärkte reden. Dort sind die Bäume Gerichtswerkzeuge und Todesboten, hier Heilsverkündiger und Lebenswecker. Dort stürzen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.