Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2554541-2555022-2555034--09866-2566066- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wälder niederwirft. Heutzutage giebt es im heiligen Lande keine Wälder mehr. Vielfach fehlt hierzu die erste Vorbedingung. Z. B. findet man auf dem Garizim teilweise bloße, von Erde völlig befreite Felsplatten. Aehren wir zu dem wandelnden Zalmonwalde zurück! Als er fein Ziel erreicht hatte,,, zeigte es sich, weshalb Abimelech droben auf dem Berge so viele Aste hatte abhauen lassen. Sic sollten einen großen Scheiterhaufen Herstellen. Bald umschloß ein solcher die Festung. Und als er nun angezündet worden war, schlugen die Flammen hoch hinauf und verbreiteten Verderben um sich. Es dauerte nicht allzu lange, bis die unglücklichen, aber keineswegs unschuldigen, weil an dem Morde von Ophra beteiligten Insassen im Rauch erstickt oder in der Glut verbrannt waren. Abimelech, du hast gesiegt. Auch diese \000 Aufrührer hast du auf immer unschädlich gemacht. Aber triumphiere nicht zu sehr! Die Flammen, in denen deine Feinde zu Grunde gehen, werfen ein Helles Licht auf die Straße, auf welcher du selbst dem Tode entgegenziehen wirst. Mit der Zerstörung der Stadt Sichem und des Turmes von Sichern war die erste Hälfte der Verwünschung, die Iotham, der am Mordtage von Ophra entronnene jüngste Sohn Gideons, bei der Aönigswahl an der Terebinthe ausgesprochen hatte, in Erfüllung gegangen. Jetzt sollte sich auch die zweite Hälfte erfüllen. Als Aönig Abimelech mit seinem Heer nach dem \8 Ailometer entfernten Thebez marschiert war, traf bei der Belagerung dieser Stadt ein von der Hand eines Weibes geschleuderter Mühlstein sein Haupt tödlich, wie pyrrhus von Epirus in Argos durch einen Ziegelstein, den eine Frau gegen ihn geworfen hatte, ums Leben gebracht wurde. Als ein Verderber und Würger erscheint also der wandelnde Wald in der Geschichte Abimelechs. Einer kriegerischen Maßregel dient er auch in dem Drama, dem wir uns jetzt zuwenden. Shakespeares zweitgrößtes Meisterwerk, Macbeth, ist uns Deutschen dadurch besonders nahe gerückt worden, daß Schiller dasselbe am Anfang des Jahres J800 bearbeitet hat. Mit Schillers Schriften wird auch diese Tragödie des großen Briten verbreitet. Die Schillerfche Bearbeitung, in welcher die Form des Verses konsequent durchgeführt ist und nicht wie in der Urschrift mit der Form der j)rosa abwechselt, liegt den weiteren Ausführungen zu Grunde. Im Jahre J057 nach Lhristo bot sich auf der Straße, die von Birnam nach Dunsinan, einem schottischen Bergschloß, führte, dem Auge ein Schauspiel dar, welches mit dem vorhin geschilderten, der Zeit vor Lhristi Geburt angehörenden Ereignis die größte Ähnlichkeit hatte. Wieder befand sich ein Wald auf der Wanderschaft. Wieder war es ein Ariegsheer, das ihn zum Gehen gebracht hatte. Aber während die Soldaten Abimelechs Baumäste auf ihren Achseln trugen, hielten die,, englischen Arieger, die uns auf dem Boden Schottlands begegnen, Äste oder grüne Zweige teils vor sich, teils über sich. Auch hier ging vom Anführer der Befehl aus, den Wald mitgehen zu heißen.