Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2554541-2555022-2555034--09865-2566065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
90 auf Muhammed zu bewegte und ebenso wieder an seinen Ort zurückkehrte. Bei uns geht alles ganz natürlich zu, wie sich alsbald Herausstellen wird. Die Quelle für unsere erste Geschichte bildet das alttestamentliche Buch der Richter, besonders das 9. Aapitel desselben. Es ist das Jahr \\7ty vor Beginn der christlichen Zeitrechnung. Da bewegt sich eines Tages ein seltsamer Zug am östlichen Abhang des Berges Garizim vorbei von Süden her kommend nach Norden. Es sind Arieger: das verraten die Waffen. Aber was bedeuten die Baumäste, die sie aus den Schultern tragen und die den Schein erregen, als ziehe ein ganzer Wald in den Urieg? Linen Ast sehen wir auch aus den Schultern des Anführers. Auf seinen Befehl haben die Truppen diese wunderliche Vervollständigung ihrer Rüstung vorgenommen. Der Feldherr beabsichtigt, den wandelnden Wald für die Ausführung eines Feldzugsplanes zu benutzen. Abimelech heißt der Heerführer. Sein Name (Uönigsvater) war ein Amtstitel der Philisterkönige jener Zeit, wie jeder egyptifche Uönig „Pharao" (großes Haus) genannt wurde. Unser Abimelech stammte aus Sichem, dem jetzigen Nablus. Nach dem Tode seines Vaters, des israelitischen Richters Gideon, hatte er mit Hilfe der Sichemiten feine 70 Brüder mit Ausnahme des jüngsten in Ophra getötet und sich dann unter der aus Iosuas Geschichte bekannten alten Terebinthe von Sichem zum Uönige ausrufen lassen. Aber der auf Gewaltthat und Blutschuld erbaute Thron geriet schon nach 3 Jahren ins Wanken. Der Uönig mußte es erleben, daß die Bewohner seiner Stadt, der Stadt Sichem, daß seine ersten Unterthanen von ihm abfielen. Er beschloß, sie hierfür furchtbar zu strafen. Durch eine Uriegslist erzwang er sich den Eingang in die Stadt. Hier richtete er nun ein entsetzliches Blutbad an. Die Mauern wurden zerbrochen und die Trümmer mit Salz bestreut. Eine salsa terra, ein gesalzenes, dem Fluch übergebenes Land, sollte fortan das schöne, fruchtbare Thal zwischen Garizim und Ebal sein. Aber noch ein Feind ist zu bekämpfen. Da, wo jenes Thal in die Ebene Machna mündet, steht das Haus Millo, der Turm von Sichem: eine starke Festung und zugleich ein Heiligtum des Baal Berith, jenes Götzen, dessen Verehrung die Anbetung des wahren Bundesgottes inmitten Israels verdrängt hatte. Dorthin haben sich j(000 Personen, Männer und Frauen, zurückgezogen. Ihnen will Abimelech heute die Thore des Todes öffnen. Am ihretwillen ist er mit seinen Truppen auf den an den Garizim stoßenden bewaldeten Berg Zalmon, den Dschebel Selman, hinaufgestiegen. Im Aampf mit dem Turm von Sichem soll der Wald des Zalmon sein Bundesgenosse sein. Wie im Gebirge Ephraim, so gab es vor alters auch in andern Teilen Palästinas Waldungen. In der Geschichte Sauls, bezw. Jonathans, kommt ein Honigstrom im Walde vor. In den Psalmen, bei Iesaia, Ieremia, Amos und sonst ist hier und da von Wäldern die Rede. Wir hören von wilden Tieren des Waldes, besonders den Löwen und Bären, vom Holzhauer im Walde, vom Waldbrand, vom Sturm, der die