Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 10 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 um uns her. Bei dein barmherzigen Samariter ist Sehen und helfen eins, bei Priester und Levit Sehen nwb Borübergehen. Die schwersten Hindernisse der Mission liegen in uns selbst. Wir wollen nur lieben, was liebenswürdig ist, und doch hat Lhristus uns geliebt, nicht weil wir seiner Liebe würdig, sondern weil wir ihrer bedürftig waren. Wir wollen mm arbeiten, wo wir den sichern Erfolg vor Augen haben, und doch sollten wir allem Augenschein zum Trotz im Glauben an die Verheißung an die Arbeit gehen (Rom. % (8). Gewiß stellen sich große Schwierigkeiten der Missionsarbeit entgegen. Aber wenn es Berge von Hindernissen giebt, so giebt es auch einen bergeversetzenden Glauben (Sach. % 7). Gott sei Dank, der evangelischen Thristenheit sind die Augen aufgegangen für die große Ernte, die ihrer in der Heidenwelt, unter Muhammedanern, ^uden und Namenschristen wartet. Missionsarbeiter gewinnt man nicht durch Gewährung äußerer Vorteile: sie werden im Schoß einer Missionsgemeinde geboren. Wo Missionssinn ist, fehlt es auch nicht an Mifsionskwerzeugen. Wie im Lande der allgemeinen Wehrpflicht die Berufssoldaten im Volksheer dastehen, so die Berufsarbeiter der Mission in der Missionsgemeinde. Die Mission fordert Opfer, von ihren Berufsarbeitern ganz besondere. Wieviel Missionsstrohfeuer wird immer wieder angezündet, um bald nachher zum Spott der Welt einen Aschenhaufen zu hinterlassen. Bei wem es nicht tief geht, der bleibe davon. Wer nicht verzichten kann auch auf raschen Erfolg, der ist nicht geschickt zur Arbeit im Reiche Gottes. Was die Apostel zu allem Verzichten freudig, zu aller Zeugenarbeit tüchtig, in aller Anfechtung beständig machte, war die überschwängliche Erkenntnis Ehristi IEsu, .die Araft seiner Auferstehung, die Gemeinschaft seiner Leiden, die Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Lhristum kommt (Phil. 3, 6—(0). Wieviele nun unser vollkommen sind, die lasset uns also gesinnet fein 1 Dann werden sich uns ungeahnte Thüren für die Mission aufthun. Köer die bevorstehende NakästinafahrL unseres Kaisers schreibt eine russische Zeitung (St. Peterb. wjedomosti): „Diese Reise wird nicht nur den Interessen der mnhammedanischen weit dienen, sondern auch in den ganzen Protestantismus neuen Fuß bringen, ja, dank der Aufmerksamkeit, welche sie in allen europäischen Ländern für die heiligen Stätten erregt, einen neuen geistigen Aufschwung im ganzen Christentum Hervorrufen. Line neue Saite des Glaubens und der geistigen Kraft wird in unserer alternden Welt erklingen. Nach einer langen Periode des Materialismus ist dies der Anfang der geistigen Wiedergeburt der alten Welt, der Beginn der Wiedergeburt des Christentums, die Rückkehr zur ursprünglichen, reinen christlichen Idee durch die Erregung des Interesses für ihre wiege." Die Zeitung, hinter deren,, Erwartungen die Wirklichkeit nicht zu weit Zurückbleiben möge, spricht dann die Überzeugung aus, daß das orthodoxe Rußland nicht außerhalb dieser mächtigen Bewegung stehen dürfe, „wir sind verpflichtet, thätigen Anteil zu nehinen, um einen Beweis von der Solidarität der Christen in den ursprünglichen Glaubenswahrheiten zu liefern. Von überall her strömen Leute herbei, die mit der Idee, welcher Kaiser Wilhelm Aufdruck geben will, sympathisieren. Sollten Orthodoxe nicht zum Glanz des allgemeinen christlichen Festes beitragen? Oder sollten wir in dunkeln Gewändern dabei erscheinen? Der König des Festes wird ja Christus sein!"