Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 9 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Pfingsten verließen ihn die Aräfte, und es ging zum Sterben. Als ich an: Abend zu ihm kam, hörte ich im Vorzimmer zitternde Frauenstimmen singen: „£) Haupt, voll Blut und Wunden." Bei meinem Eintritt verstummten sie. „Ach, singt doch weiter I" rief er. Doch die Stimmen erloschen in Thränen. „Nun, dann richtet mich auf!" And da sing der sterbende, röchelnde Mann mit einer Stimme, die wie eine geborstene Glocke klang, zu singen an: „Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud' und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein HErr IEsus Ehrist. Das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist." Dann fiel er still zurück, und sein Heimweh war gestillt. Als ich heimkehrte, lag eine laue, weiche Frühlingsnacht über der keimenden, sprossenden Erde. Die lobesame Nachtigall zog und dehnte im dunkeln Gebüsch der Anlagen ihre Lieder, deren Noten sich ihre Ahnen klüglich aus dem Paradiese mitgenommen haben, und die Leute hörten staunend zu. In mir aber klang es: „Schön sind die Wälder, schöner sind die Felder in der schönen Frühlingszeit. Jesus ist schöner, Jesus ist reiner, der unser traurig Herz erfreut." Hosianna dern Sohne Davids! Er giebt den Leinen den besten Wein zuletzt. Hosianna in der Höhe! Und er schenkt ihnen voll ein." ZU Zoy. 20, 31. A. H. Francke, der Stifter des Halleschen Waisenhauses, welches vor kurzem fein 200 jähriges Bestehen feierte, sollte als Jüngling i. I. *687 zu Lüneburg über das obige wort predigen. Beim Nachdenken über diesen Text drängte sich ihm die Frage auf: „Besitze ich selbst den Glauben und das Leben, von dem ich zeugen soll?" Sein Gewissen sagte ihm, daß das nicht der Fall sei. Alles, was er gethan, geredet und gedacht hatte, ja, sein ganzes Leben erschien ihm „als Sünde und ein großer Greuel vor Gott." Da rief er aus der Tiefe zu dem, der ihm sein inneres und äußeres Leben ins rechte Licht gestellt hatte: „wenn Du Gott bist, offenbare Dich mirl Zeige, daß Du da bist, so will ich an Dich glauben, Dich lieben und Dir dienen mein Lebenlang!" Nachdem er stundenlang heiß gerungen hatte, kam wieder Friede in sein Herz. Fortan strebte er darnach, nicht nur sich selber den Frieden zu erhalten, sondern ihn auch andern zu bringen. Deshalb wurde er in Halle, wo er seit *692 wirkte und *727 starb, auch ein Herold der Heiden- und der Judenmission. *705 stellte er dem dänischen Könige Friedrich IV. 2 junge Theologen, plütschau und Ziegenbalg, als Seelsorger für die heidnischen Bewohner der dänischen Kolonieen zur Verfügung. Diesen ersten Arbeitern folgten später andere, von denen Lhr. Fr. Schwarz als Missionar der Tamulen in Ostindien mit besonders reichem Erfolge gekrönt wurde. Für die Juden sorgte er z. B. dadurch, daß er die berühmte Schrift des Gothaer Predigers I. Müller „Licht am Abend" zum Abdruck bringen half, noch mehr aber, indem er die Judenmissionsgedanken des württembergischen Prälaten Hochstetter unter seinen Schülern verbreitete. Liner der letzeren, Lattenberg, stiftete *726 den ersten evangelischen Missionsverein für Israel. _ Hin Gespräch mit ^i-Kurrg-Hschang über die M6et. Der Missionsarzt Dr. Loltmann aus Peking schreibt im „Ostasiatischen Lloyd": Als ich kürzlich den bekannten chinesischen Staatsmann, den Vi^ekönig Li-Hung-Tschang, besuchte, fand ich ihn in einem wunderschön gebundenen Neuen Testamente lesend, das ihm eben von einem Millionär der Londoner Mission übersandt worden war. Der alte Herr war so in sein Buch vertieft, daß er mich einige Minuten lang gar nicht bemerkte. Nach einer weile hob er seine Augen auf, sah mich mit einem durchdringenden Blick an und sagte: „Dr. Loltmann, glauben Sie diesem Buch?" ,,Lxcellenz," erwiderte ich, „wenn ich nicht diesem Buch Glauben schenkte, so hätte