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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 9 (1898) · page 8

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Journal
Dibre Emeth
Volume
54 (1898)
Issue
9 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 ich nicht die Ehre, Ihr Arzt zu sein; ich glaube ihm von ganzem Kerzen." „Sind Sie gewiß, das dies nicht alles Hörensagen u>ld Menschenrede ist?" fragte er wieder. „Ganz gewiß!" antwortete ich. „wie wissen Sie das?" fuhr er fort. „Durch ein Beweismittel, das von dem Buch selbst angeführt wird. Ist darin nicht geschrieben, daß ein fauler Baum keine guten Früchte bringen kann und ein guter Baum keine argen Früchte? Lw. Lxcellenz haben früher einmal mir zugegeben, daß der Zustand der Leute in den westlichen Ländern bei weitem alles im Osten übertrifft, und ich kann Sie versichern, daß der Wohlstand und das Glück der verschiedenen Nationen, die Sie kürzlich besucht haben, genau dem Maße entspricht, in welchem sie den Vorschriften dieses Buches gemäß leben, wollte Gott, daß Lw. Lxcellenz auch an dasselbe glaubten!" „wie? Ich glaube, Sie möchten mich zu einem Christen machen?" sagte er halb scherzend, halb ernst. „Nicht alleinSie," antwortete ich, sondern auch Ihren jungen Kaiser und alle seine Leute." „Wir haben Lonfucius," sagte er, „Ihr habt Jesus; find sie nicht in vielen Stücken sich gleich?" Hier wurde der Vizekönig durch wichtige Nachrichten unterbrochen. Als aber fein Diener seine Bibel ihm aus der Hand nahm, um sie in seine Bibliothek zu tragen, sagte er: „Trage sie nicht in die Bibliothek, lege sie auf den Tisch in meinen: Schlafgemach! Ich will sie mir nochmals ansehen." Jüdische tzhronik. In Berlin fand die erste Generalversammlung des ^6 Mitglieder zählenden deutschen Rabbinerverbandes, in Mainz die erste Zusammenkunft der 60 Mitglieder umfassenden Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands statt. Am 3t- Mai beschlossen ^o Rabbiner in Berlin die Gründung einer Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands. — Die deutsch-israelit. Gemeinde zu Hamburg besitzt seit kurzem ein zunächst für 20 Pfleglinge eingerichtetes Siechenheim. — Der badische Oberrat der Israeliten erhielt infolge einer Umfrage 40 Gutachten betreffs einer Reform des Gottesdienstes. Die meisten Stimmen fordern eine solche. Lin Lehrer schreibt: „Ls zieht ein Sehnen durch Hunderte von jüdischen Kerzen nach einem Gottesdienste, der nicht wie der gegenwärtig bestehende kalt und unbefriedigt läßt." Lin anderer, der keine Änderung der gottesdienstlichen Form, sondern nur bessere Handhabung der Synagogenordnung verlangt, bemerkt hierbei: „welche Szenen sich oft im Gottesdienste abspielen, das will ich lieber nicht weiter ausführen." — In Wien bildete sich aus dem ^897 nach Art des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes gegründeten Verein ein Allgemeiner Österreichisch-Israelitischer Bund. Derselbe will zugleich den einzelnen Israeliten und den Gemeinden gegen rechtswidrige Angriffe Schutz gewähren. Nach den in jüngster Zeit vorgekommenen Judenverfolgungen in Galizien verwandte er sich für die Opfer der letzteren bei der Regierung. — Das in Wien von Baron pirsch errichtete wohlthätigskeitsbureau wurde von der Witwe desselben in eine Stiftung verwandelt, die sie mit j^/2 Millionen Gulden ausstattete. Die Wirksamkeit der Stiftung beginnt am Januar *899. — Das neue rumänische Schulgesetz bestimmt, daß Fremde nur dann höhere Lehranstalten besuchen dürfen, wenn nach Annahme aller Meldungen von Linheimischen noch Plätze frei bleiben. In keiner Klasse darf die Schülerzahl 30 übersteigen. Besonders die jüdische Jugend, die ^893 schon aus den niederen Schulen verdrängt wurde, soll durch das nerie Gesetz an der Erwerbung einer höheren Bildung gehindert werden. — Der russische Ackerbauminister gab feine Zustimmung zur Anlegung jüdischer Ackerbaukolonieen irn Kgr. Poley. Im eigentlichen Rußland bestehen derartige Ansiedlungen bereits. — ^897 vereinnahinte die Pariser Isr. Allianz 820 ^72 Francs, während sie ^0288^2 verausgabte. Die unter ihrer Leitung stehenden 90 Schulen beanspruchten ca. 925000 Fr. Ihre Ackerbauschule in Jaffa hat ^7 Schüler, wird aber erweitert, so daß später 250 Aufnahme finden werden. — Die nationalistische und antijüdische Gruppe in der französischen Kammer zählt 2\ Mitglieder. — Die jüdischen Änsiedlungen in Argentinien wurden Lnde 4397 von ^36^ Familien mit 70\5 Seelen bewohnt. Manches Ödland wurde in Ackerfeld verwandelt. Der besäete Flächenraum betrug 40 65H ha. Im April d. I. kehrten viele Ansiedler nach Europa zurück. Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße \3. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Iahrespreis: 80 Pf. Druck von X Mindolff, v erlin S W., ^darlottenstraße 88.

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