Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 9 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Vater gesehen hat, kann uns die Herzensreinheit, die Gotteskindschaft und Gottesähnlichkeit verschaffen, welche das Schauen Gottes ermöglichen. Dies letzte Ziel wird aber nur dann erreicht, wenn man dem Geiste der Wahrheit und des Lebens, den der von der Erde Wiedererhöhte ausgießt, bis zuletzt das Herz öffnet. Auch ein Zeuge des seligen Weltendes wird nur der sein, welcher im Glauben bis ans Ende beharrt. Des Ungläubigen wartet am Ende aller Dinge die Verdammnis. Mit dieser erhabenen und lebensvollen Gotteslehre, mit diesen nicht sowohl theoretischen, als vielmehr praktischen Gottesbeweisen tritt die heilige Schrift wie dem Atheismus, so dem Pantheismus und dem Deismus entgegen. Die Gottesleugnung bezeichnet sie ausdrücklich als eine Thorheit.' Thoren sind der hochmütige, der keinen Gott nötig zu haben glaubt; der Aleinmütige, der, von schweren Schlägen getroffen, nur über Schicksalsschläge murrt und in ihnen keine erziehende väterliche Weisheit finden will; der Sittenlose, der von keinem Gesetzgeber und Richter hören mag, weil er ihn fürchten müßte. Aber nicht minder verkehrt ist, wenn wir sie an der Bibel messen, die Behauptung, daß Gott in der Welt aufgehe, daß das Viele das Eine und das Eine das Viele fei. Ein solcher Pantheismus mündet in den Materialismus, jene Denkweise, von welcher sich heutzutage der große Haufe immer mehr beeinflussen läßt. Der Gott der Bibel durchdringt zwar die Welt, ist aber nicht die Welt, sondern ein persönlicher, d. h. seiner selbst bewußter und sich selbst bestimmender Geist. Endlich lehrt uns die heilige Schrift die Vorstellung als eine Thorheit ansehen, daß Gott sich der von ihm geschaffenen Welt nicht weiter annehme, sondern sie sich selbst überlasse. Dem Deisten ist Gott ein Uhrmacher, dessen Aunst ein prächtiges Uhrwerk zustande gebracht hat, der es aber dann veräußert und nicht wieder in die Hände bekommt. Er hält es für ausgeschlossen, daß Gott durch Wunder in den Gang der Geschichte eingreifen könne, hiergegen erhebt die Bibel nachdrücklich ihre Stimme. Der Gott, den sie verkündigt, steht in beständigem Zusammenhang mit den Werken seiner Hände. Ohne ihn hören sie auf zu sein. Der Schöpfer ist auch der Erhalter und Versorger. Von Gott, durch Gott und zu Gott sind alle Dinge. — Nicht immer entsprechen unfern Altersstufen die Stufen unserer Erkenntnis. Das Aind, welches auf dem Schoß der Mutter die biblischen Geschichten hört, 'empfängt durch sie vielleicht den lebhaftesten Eindruck von Gottes Wesen und Walten. Der Mann, der nicht nur das A. und N. T. zu lesen, sondern auch die Schätze der Philosophie zu heben vermag, bleibt möglicherweise trotz alledem innerlich unberührt. Ja, er findet wohl gar in der Bibel nur eine schöne Dichtung und spottet über die Denker, die sich mit dem höchsten Gedanken beschäftigen. Die geistige Luft, die der Erwachsene einatmet, ist eben in vielen Fällen eine vergiftete. Die große Masse liebt die Finsternis mehr als das Licht und sucht die Lichtfreunde zu Finsterlingen, die Gläubigen zu Ungläubigen zu machen. Wie not thut daher die Ulahnung an die armen Verführten: Aehret um und werdet wie die Kinder I Entziehet euch dem Einfluß eurer von Gott gelösten Umgebung I Laßt euch nicht