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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 8 (1898) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
54 (1898)
Issue
8 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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63 hat mir die Erlaubnis gegeben, heute vor sein Angesicht treten zu dürfen." Dann sang sie einige Lieder, zuletzt: „Anfersteh'n, ja, anfersteh'n wirst du, mein Leib, nach kurzer Ruh." hierauf mahnte fie die um sie versammelten: „Gehet zu ILsu! Bei ILsu ist Leben." Ihre letzten Worte waren: „Ich habe vorher noch nie IEsum gesehen, jetzt aber sehe ich ihn. wie ist die Freude so groß! Ich habe ein weißes Kleid bekommeil und bin jetzt bei der großen Schar droben. Ls geht zu langsam. Die vollendeten singen mir schon ihr „heilig". Ich bin bereit." Zu Hffög. 22, 15. Ein Mann nahm es übel, daß ein Kolporteur ihm eine Bibel anbot, und rief diesem zu: „Es wäre besser, Ihre Gesellschaft schickte Sie aus, Hunde einzufangen. Line Bibel mag ich nicht." Ruhig antwortete der Bibelbote dem Zornigen: „Die Schrift spricht Öffbg. 22 von Hunden. Aber ins Reich Gottes können nur solche Leute eingehen, die sein heiliges Wort gefangen genommen hat." Linen Monat später erschien jener Mann bei denl Kolporteur und bekannte demütig sein Unrecht. „In der That," sagte er, „bin ich einer von den Menschen gewesen, von denen der von Ihnen angeführte Text redet. Dieser Vers hat mich mit unwiderstehlicher Gewalt ergriffen." Er vergoß viele Thränen wahrer Reue und kaufte eine Bibel, verschiedene Stellen, welche ihm der Kolporteur vorlas, gereichten ihm zu großem Trost. Beim Abschied drückte er noch einmal sein Bedauern über seine früheren Schmähreden aus. Zum zehnten Hrinitatissonntag schrieb k. weinreich M6 im „Sonntagsblatt für die Propstei Altona": „Habt ihr es vergessen, daß einmal Thränen vergossen find über Jerusalem? Ls hat immer etwas Erschütterndes, wenn ein Mann weint. Ich kann es nicht vergessen, daß einmal von einem geliebten Toten, der ein ganzer Mann war, erzählt wurde, die Seinen hätten ihn zweimal weinen sehen, einmal beim Tode seiner Schwester, dann als der Sturm die ihm ans Herz gewachsene Kirche zerschlug. Noch viel weniger sollten wir vergessen, daß IEsus Christus, der Welt HLiland, weinte, als er von der Höhe des Ölberges herab Jerusalem vor sich liegen sah. „wenn doch auch du wüßtest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen." So heißt es im Evangelium des nächsten Sonntages. Darum denken wir au diesem Tage besonders an das Volk Israel, das den Messias verworfen hat. Um seiner Thränen willen ist die Iudenmission uns lieb. In unseren Gemeinden wissen viele nichts von Iudenmission. Man weiß von der Iudenfrage gewöhnlich nicht viel inehr, als was die politischen Zeitungen darüber schreiben, wir fragen weder nach Iudenfreundschaft noch nach Antisemitismus; wir wissen aber, daß IEsus Christus auch um der Inden willen gekreuzigt und auferstanden ist. wer etwas davon erfahren hat, welche Kraft und Freude durch den Glauben an den Erlöser ins Menschenleben cinzieht, der kennt das Wort: „Die Liebe Christi dringet uns also." Sie dringt uns, daß wir auch den Juden das Evangelium bringen müssen, weil auch sie erlösungsbedürftige Menschen sind. Die Iudenmission arbeitet im Stillen mit großer Ausdauer. Leichte Arbeit ist es nicht. Man sagt ja, daß das Taufwasser auf dem Kopf eines Juden vergeudet ist. Aber es sind doch manche erfreuliche Erfolge da. Ls giebt unter den getauften Juden manche, von denen das Wort gilt: „Siehe, ein rechter Israelit, in welchem kein Falsch ist!" Am nächsten Sonntag wird in unseren Kirchen eine Kollekte zum Besten der Iudenmission gesammelt, wer gern fröhlich dazu beitragen will, der kann sich diese Freudigkeit aus Römer 9 —^ holen." Kteine MisstonszeiLung. Bei einer Versammlung, die am \5. Januar in Berlin stattfand, erzählte der aus Reval (Lsthland) gebürtige judenchristliche Evangelist Rubanowitsch folgendes: „Als ich inich bekehrt hatte, hat meine älteste Schwester mich buchstäblich verflucht. Sie lebte nicht mit mir in derselben Stadt, schrieb mir aber öfter, und jeder Brief war eine Reihe von Flüchen. Sie können sich gar nicht vorstellen, welch ein Haß dies Mädchen beseelte, nur weil ich Christ geworden war." R. vergalt den Haß mit Liebe. Liebe atmeten auch seine Briefe an die Schwester. Nach \l!% Jahren bat die letztere um die heilige Taufe, ohne daß er sie zum Christenium gelockt hätte. — wie der 55. Jahresbericht des Westdeutschen Vereins für Israel meldet, wurden

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