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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 8 (1898) · page 4

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Journal
Dibre Emeth
Volume
54 (1898)
Issue
8 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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60 daß dort viele Falaschas wohnen, aber der Weg dahin ist wegen Räuberbanden sehr gefährlich. Gerne hätte ich die lieben Brüder begleitet. Ich konnte es aber nicht thun, da ich unwohl war und mich sehr schwach fühlte. Die Brüder erzählten niir von ihrer Reise viel Erfreuliches, wie Sie in deren Bericht finden werden, aber im Vergleich mit früher wohnen wenige Falaschas und Proselyten in Dembea. Wie ich Ihnen schon das letzte Mal schrieb, haben wir von seiten^ der abessinischen Priester viel Gehässigkeit und Feindseligkeit zu erfahren. Sie hassen die Wahrheit und verklagen uns bei der Regierung um unseres protestantischen Glaubens willen. Einige sind so gehässig, daß sie uns ins Gesicht sagen: „Wir werden nicht ruhen, bis wir Euch von der Oberfläche der Erde vertilgt haben." Es ist für mich ein großer Schmerz, meine liebsten Wünsche für mein Volk, besonders für die Falaschamission, zertrünnnert zu sehen. Die abessinische Rirche treibt nicht nur keine Mission: sie hindert diejenigen, welche Mission treiben wollen. Viele europäische Missionare,Mkänner Gottes, waren schon in Abessinien und wollten unserem Volk das reine Evangelium predigen und es zu Gott führen. Sie wurden verachtet, verspottet, gehaßt, in Retten gelegt und aus dem Lande vertrieben. Heute macht man es uns gerade so. Welche hoffnungsvolle und gesegnete Arbeit war die Falaschamission! Viele Hunderte wurden zu Lhristo bekehrt. Welcher Legen verbreitete sich durch unsere Schulen in Dschenda, Asseso und Dagusa! Unsere Sonntags- und Festtagsgottesdienste wurden nicht nur von unfern proselyte», sondern von Falaschas und eingebornen Ehristen zahlreich besucht. Heute aber werden wir als Retzer gehaßt und gemieden I Zur Ehre Gottes darf ichs sagen, daß wohl nahezu \500 Falaschas durch die Mission zum HErrn geführt wurden. Wenn auch nicht von allen gesagt werden kann, sie seien gründlich bekehrt gewesen, so kann ich doch von den meisten bezeugen, daß sie ihren Süu.f im Glauben vollendet haben. Die größte Zahl ist ja durch die Derwische ermordet worden oder der Hungersnot erlegen. Nun werden Sie fragen: „Warum treibt Ihr nicht Mission wie früher? Warum gründet Ihr keine Missionsstationen, keine Schulen, keine Gemeinden?" Antwort: H Wir haben keine Religionsfreiheit. 2) Es ist uns verboten, den protestantischen Glauben öffentlich zu lehren. 3) Es leben zur Zeit nur wenige proselyten und Falaschas in Denibea. — Sie schrieben uns, wir sollen Begemeder verlassen und uns in Dembea ansiedeln. Das wollten wir gerne thun, wenn nicht die politischen Verhältnisse des Landes so unsicher wären. Seit meiner Rückkehr aus Europa war es mein und meiner Mitarbeiter stetes Anliegen, die Mission in Dembea wieder zu beginnen. Es war nicht möglich, aber was möglich war, thaten wir: wir machten verschiedene Missionspredigtreisen, die vom Segen des HErrn begleitet waren. Das eine Gute haben wir noch: die Falaschas zu unterrichten, ist uns noch nicht verboten worden. Daher fahren pur fort, die einzelnen^ Falaschafamilien aufzusuchen und ihnen das Wort Gottes zu predigen,

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