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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 8 (1898) · page 2

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Journal
Dibre Emeth
Volume
54 (1898)
Issue
8 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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58 Festung heran und forderte Einlaß. Leine Ordonnanzreiter mußten am Thor warten, ihn ließ man. ein. Er ritt an das Haus des Aommandanten und forderte die Übergabe der Festung mit Besatzung und Geschütz; — und der feindliche Aommandant beugte sich der Entschlossenheit dieses einen Mannes. Die abmarschierenden Truppen wurden durch einen Reiter zurückgerufen, kehrten um, besetzten die Festung und machten die Besatzung zu Gefangenen. Lo hatte Ein Mann die Festung erobert; ein wunderbares Ereignis! Aber das Ereignis, von welchem das vorstehende Bibelwort redet, ist noch viel erstaunlicher. Eine heidnische Ltadt, größer und prächtiger als heute Berlin, die Residenz des damals mächtigsten Königs der Erde, der Mittelpunkt des Verkehrs und Reichtums eines großen Reiches, aber zugleich der Schauplatz himmelschreiender Lünden und Laster, soll zur Demütigung und Buße gerufen werden, dazu entsendet Gott einen einzelnen Mann, und vor der Botschaft Gottes, die dieser schwache Mensch ausruft, beugt sich alles! Man hat unter tiefen Landschichten die Trümmer der Ltadt Ninive am Ufer des Tigrisstromes in Asien aufgefunden; man hat an den Mauern der alten Aönigspaläste zahlreiche Anschriften entdeckt, und alles bestätigt die Wahrheit der Bibel. Man weiß von Ninive durch diese Entdeckungen und durch alte Schriften folgendes: Die Ltad hatte 90 Ailometer Umfang; der größere Teil lag am Ostufer des Ltromes. In ihr war eine besondere Aönigsstadt im Fünfeck am Tigris erbaut, von einer mächtigen Befestigung eingeschlosseu; die Mauer soll 30 Meter hoch gewesen sein und so breit, daß auf derselben drei Wagen nebeneinander fahren konnten. Die Fundamente dieser Mauern sind noch heute erkennbar. Nach einer Inschrift, die am Aönigspalaste aufgefunden worden ist, hatte schon eine unabsehbare Reihe von Königen vor den Tagen Jonas in Ninive geherrscht. In diese Ltadt der Macht, der Pracht und der Lünde kam Jona, der Bote Gottes, um das zu sagen, was Gott ihm gebot, nämlich: „Es sind noch qo Tage, so wird Ninive untergehn I" Wie wird Jona, als er die Riesenstadt mit ihren Türmen und Palästen im Lonnenglanze vor sich sah, sich seiner Ohnmacht bewußt gewesen sein I Konnte er Erfolg erwarten? Ünmöglich. Wie sollte es ihm, dem fremden Wanderer, gelingen, daß die Menschen ihn hörten? Aber Jona hatte gelernt, dem Worte Gottes gehorchen und vertrauen, er betrat die Weltstadt mit der gewissen Zuversicht, daß Gottes Wort Wahrheit ist! Lo durchschritt er das Thor und predigte seine gewaltige predigt von neun Wörtern: „Es sind noch ^0 Tage, so wird Ninive untergehn I" Und was geschah? Er war erst eine Tagereise in die Ltadt hineingegangen, da hatte sein Wort wie ein Lauffeuer die Ltadt durcheilt, war in die Hütten der Armen, in die Häuser der Reichen, ja, in den Palast des Königs gedrungen. König und Obrigkeit an der Spitze, beugte sich das ganze Volk vor Gottes gewaltigem Wort in Demut und Buße. Auf Befehl des Königs und seiner Gewaltigen wurde in der ganzen Ltadt ausgerufen, daß man zu Gott um Gnade rufen solle, und diese Botschaft schloß mit der demütigen Hoffnung:

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