Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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§5 widerfahren. Am folgenden Tage besuchten wir noch einmal den Falascha in Tschanker. Er bekannte frei, er sei jetzt von der Wahrheit überzeugt, er wolle weiter lernen und sich auf die Taufe vorbereiten lassen. Seine Frau sagte: „Schon lange bin ich eine geheime Züngerin ZEsu. | Nun freue ich mich, daß mein Mann auch überzeugt ift." Nachdem wir noch etliche Tage bei unfern proselyten verweilt hatten, reisten wir nach Dschenda. Auch hier fanden wir einige proselytenfamilien, aber nur wenige Falaschas. Dschenda ist feit der Zerstörung durch die Mahdisten nicht wieder aufgebaut worden. Zwei Tage verweilten wir hier, um die Falaschas und unsere proselyten zu unterweisen. Wir weinten mit ihnen über all die Ruinen der einst so schönen, großen, reichen Stadt, deren Bewohner beinahe ohne Ausnahme von den Mahdisten abgefchlächtet worden sind. Am traurigsten aber wurden unsere Herzen, wenn wir hinüberschauten zu den Ruinen der Missionshäuser, wo einst Sie und andere Tausenden von Falaschas und koptischen Lhristen das Evangelium gepredigt haben. Unser Plan war, von hier nach Dagusa und Atschaser zu reisen. Wir hatten gehört, daß dort viele Falaschas wohnen. Da uns aber gesagt wurde, daß Räuber in Dengel Berr niemand lebendig passieren lassen, gaben wir den plan auf, und begaben uns nach Fentscha. Der Ort, früher eine Stadt, jetzt ein kleines Dorf, wird von vier Falafchafamilien bewohnt. Wir blieben einen Tag und unterrichteten sie in der Bibel. Sie hörten uns an, sagten aber: „Wir sind Ungelehrte. Zn Sakalt, in Anba Aualit, wohnt unser Hoherpriester. Geht zu ihm! Wenn er sich zu ZEsu bekehrt, wollen wir es auch thun." „Gut. Bringt uns zu ihml" sagten wir, aber sie erwiderten: „Das dürfen wir nicht. Er würde uns zürnen und sagen: Warum habt ihr diese Männer zu mir gebracht?" Den Falascha, der mit uns von Efag nach Ferka reiste, trafen wir hier wieder. Er nahm uns freundlich auf und bewirtete uns. Zhm und seiner Frau sagten wir viel von ZEsu und erzählten ihm unsere Bekehrungsgeschichte. Aber auch er weigerte sich, wohl aus Furcht, uns zu dem Hohenpriester der Falaschas zu begleiten. „Ich habe keine Zeit," war feine Ausrede. Wir gedachten der Worte ZEsu Matth. 22, % ff. Zn einer Tagereise erreichten wir Anba Aualit. Den folgenden Tag, einen Samstag,. verbrachten wir mit dem Hohenpriester und der Schar von Priestern und Schülern, die ihn umgaben. Da die Falaschapriester nicht heiraten, wohnt keine Frau im Orte. Die Männer besorgen alle Geschäfte. Unter freiem Himmel und tropischer Sonne lasen und erklärten wir ihnen viele der messianischen Weissagungen und predigten ihnen ZEsum, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Der Hohepriester sagte: „Wir Habens nun viel gehört von eurem Glauben und von eurem ZEsus. Wir Falaschas sind frömmer als die Lhristen dieses Landes. Wir brauchen ZEsus nicht. Moses genügt uns. Durch ihn hat uns Gott befohlen blutige Opfer für unsere Sünden zu opfern, die genügen uns" u. f. w. Da zeigten wir ihnen aus dem Alten Testament, daß die Zeit der blutigen Opfer längst vorüber ist, seitdem ZEsus nach Zes. 53 sich selbst zum Opfer