Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Abends erreichten wir Sangatsch, wo wir in dem Hause eines unserer proselyten freundliche und liebevolle Aufnahme fanden. Wir verweilten zwei Tage bei dieser entschieden gläubigen Familie, lasen miteinander Gottes Wort und beteten zusammen. Von dort kamen wir nach Arbia Medhani Alam. Wir besuchten hier einen schwerkranken proselyten, trösteten ihn und stärkten fein Gottvertrauen. Wir sagten ihm, er möchte sich anklammern an den HEiland, der gekommen sei, das Verlorene zu suchen und Sünder selig zu machen. Wir beteten mit und über ihm und reisten dann noch bis Tanbahogie. Hier wohnen mehrere profelytenfamilien, welche uns mit Freuden aufnahmen. Linen Tag und zwei Nächte blieben wir bei ihnen, lasen mit ihnen die Bibel und beteten zusammen. Dann reisten wir nach der „Freistadt" Tschanker und besuchten zuerst die eine Falaschafamilie, die hier wohnt. Im Schatten eines Baumes wies der Mann uns einen Platz zum Sitzen an. Wir öffneten nun unsere Bibel, lasen und erklärten ihm und seiner Familie eine Anzahl messianischer Weissagungen und zeigten ihnen, daß wir allein | durch IEsum selig werden können. Nachdem er uns lange angehort hatte, sagte er: „Ich bin ein Ungelehrter und ein Unwissender. In einem benachbarten Dorf wohnen ein Priester und ein Gelehrter. Morgen will ich euch dahin bringen." Inzwischen hatten die hier wohnenden proselyten von unserer Ankunft gehört. Sie kamen zu uns, nahmen uns in ihre Wohnungen auf und übten Gastfreundschaft an uns. Wir hatten einander vieles zu erzählen. Nach dem Nachtessen hielten wir Abendandacht, an der alle im Ort wohnenden proselyten teilnahmen. Am folgenden Morgen gingen wir in das Falafchadorf, begleitet von dem Falafcha und unfern proselyten. Nach der Begrüßung sagte ich: „Liebe Brüder, wir find gekommen, um mit euch den Brief Gottes an unsere Väter und an uns zu lesen." In kurzer Zeit hatte sich das ganze Dorf um uns versammelt. Die Leute boten uns leibliche Erfrischungen an. Aber wir sagten: „Nicht um leibliche Nahrung zu empfangen, sind wir zu euch gekommen, sondern um euch geistige Speise zu bringen." Wir öffneten die Bibel, lasen und erklärten ihnen eine Stelle um die andere und redeten mit ihnen über das £}dl ihrer Seelen, die Bekehrung zu IEsu, den Glauben an den, der da heißt: „Herr, unsere Gerechtigkeit." Der Priester und der Debtera (Gelehrte) machten viele Einwendungen, z. B. Gott habe keinen Sohn, Lhristus sei ein bloßer Mensch und nicht der verheißene Messias, die Tieropfer feien nicht abgeschafft, sondern nehmen immer noch unsere Sünden weg u. s. f. Wir widerlegten sie mit Stellen der Bibel. Zuletzt gaben sie denn auch zu, daß die Bibel für uns spreche. „Aber," sagten sie, „wir wollen bei dem Glauben unserer Väter bleiben." Einer unter den Zuhörern erhob sich endlich und sagte: „Ich bin durch das Gehörte überzeugt worden, daß euer Glaube der richtige ist. Gebt mir eine Bibel: ich will weiter forschen." Er empfing eine. Ehe wir schieden, bewirteten uns die Falaschas. Wir dankten Gott, daß er uns Gelegenheit gegeben hatte, vor so vielen ein Zeugnis für unseren Heiland abzulegen. Die offenen Herzen riefen uns das Wort IEsu ins Gedächtnis: Heute ist diesem Hause Heil