Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 ,,Der Du mir manches Lebensjahr beschert, Gieb, L^Err, daß diese eine Nacht nicht fehle! wohlmöcht'ich lieber gleich von hinnen geh'n, Als länger noch zu weilen auf der Erde, Doch um des Freundes willen hör' meinFleh'n, Daß er auch Deines Heils teilhaftig werde!" Die Nacht vergeht, und Basilius lebt, Gelohnt hat Gott sein gläubiges Vertrauen. Und als die Sonne sich im Osten hebt, Ruft man den Arzt, das Wunder anzuschauen. Er kommt, nicht zweifelnd, daß vomFriedensport Des FreundesLebensschifflein aufgenommen. Doch, siehe, liebevoll mit Gruß und Wort Hüßt Basilius ihn wie sonst willkommen. Da sinkt der Arzt aufs Knie: ,,O HErr, Du bist DasHeihdas unfern Vätern ward verheißen. Du bist's, der Wunder thut,HLrrIEsu Lhrist. Nichts soll hinfort aus Deiner Hand mich reißen!" ,,So mache," spricht der Kranke, ,,Dich bereit, LH' meines Lebens Frist ist abgelaufen! Bevor ich ziehe in die Ewigkeit will ich Dich selbst vor Gottes Altar taufen." ,,Mein Freund," spricht Joseph, ,,Gott, der Wunder schafft, Hat diese Nacht erhalten zwar Dein Leben, Doch, sieh', verzehrt ist Deines Leibes Kraft: Nicht mehr vom Lager wirst Du Dich erheben." ,,vermessen ziehest Du," versetzt der Greis, Der Atlinacht Gottes menschlich enge Schranken» So lange er zu seines Namens Preis Will senden mich, läßt er mich auch nicht wanken. Und Du, o HLrr, gieb Odem meinem Mund, Gieb Kraft dem Fuße, stärke meine Hände, Daß ich Dein Lob dem Volke thue kund Und dem bekehrten Freund die Taufe spende!" Der Taufe Stunde naht. In dichter Schar Zur Kirche drängt die christliche Gemeine^ Groß' Wunder soll sie schauen: am Altar Der Bischof steht, umstrahlt vom Kerzenscheine. Er ruft zu Gottes Lob mit frohem Schall, Der zu sich lenket der verirrten Pfade. Dann tauft er Joseph und die Seinen all" Und bricht das Brot iin heil'gen Mahl der Gnade. Er mahnt und tröstet, niemals noch zuvor Ist so wie heut' sein Hirtenwort erklungen. In tiefer Andacht lauscht der Gläub'gen Ohr, Als redete der Greis mit Engelszungen. Und sieh', wie eines Engels Angesicht Erglänzt sein Antlitz im verklärten Frieden. Sein Auge strahlt in sel'gem Himmelslicht: Er schaut nicht Leid und Kummer mehr hienieden. sinkt, der Staub dem Staube zugesellt,. Der Seele schwache, erdgeborne Hülle, Doch seine Seele trägt aus dieser Welt Ein Engel zu des ew'gen Lichtes Fülle. Zu Matth. 27, 46. Alle Sünde ist Gottesferne. IEsus mußte hinab in die Höllenangst der Gottesferne, bcnn er trug die Sünde der Welt. Als unser Stellvertreter mußte er hinab in das schauerliche Bewußtsein, von Gott verlassen zu sein. Zwar hat Lhristus am Kreuz nimmermehr unter Goltes Zorn gestanden (es wäre gottlos, so zu denken), aber die Erfahrung seiner heiligen Nähe hat ihm der Vater entzogen. Da er freiwillig die Sünde der Welt auf sich lud, warf Gott all unsere Strafe auf ihn. Gott ließ es zu, daß der Sündenjammer, die Sündenschuld der ganzen Welt sich wie ein schwerer Alp auf seine Seele legte, daß sie wie eine Riesenmauer sich vor ihm auftürmte, ihm die Aussicht in den Himmel verbaute, so daß er nicht mehr wie sonst seines Vaters Angesicht schauen, seines Vaters Hand fassen konnte, bis sich der Angstschrei des 22. Psalms aus seiner gemarterten Seele losrang. Das ist also geschehen, damit du einstimmen könntest in das Iubellied Iesaias: „Er ist um unserer Missethat willen verwundet," damit du kraft seines stellvertretenden Leidens vor den Vater treten könntest, vor dem dir sonst ewig grauen müßte. _ (Nach Lic. Rendtorff.) Höer den Ursprung des Gewissens redete unlängst in Breslau der dortige Pastor lüe. Konrad. Einem Bericht des „Schles. Fam.-Boten" Liber diesen Vortrag entnehmen wir folgendes: Die Thatsache des Gewissens wird vielfach als ein Produkt der natürlichen Entwicklung erklärt.. Aber diese Erklärung reicht nicht aus. Die Sprachwissenschaft zeigt, daß das Wort „Gewissen" erst verhältnismäßig spät vorkommt. Bei den Griechen wird es zuerst von dem Stoiker Lhrysippos (f 208 v. Ehr.) gebraucht. Auch im Alten Testament und in den Reden Jesu findet es sich,, nicht. Die Sache aber ist lange vor dem Auftauchen des Wortes zu belegen. Äschylos und Eurixides verwenden die alte Sage von den Rachegöttinnen mit dem Schlangenhaar, die den Schuldigen verfolgen;.