Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Unser Thema läßt sich nicht nur unter dem topographischen und historischen, sondern auch unter dem prophetischen Gesichtspunkt behandeln. Gott hat die böse That des Judas vor aller Zeit in seinen Ratschluß ausgenommen. Daher findet sie sich schon in der israelitischen Weissagung. Zwar ist Lach, \2 f. von etwas anderm die Rede. Gott spricht hier zu dem auf 30 Silberstücke geschätzten Propheten: ,,U)irf ihn zum Töpfer, den werten Preis, mit dem ich von ihnen gewertet wurde!" Dann erzählt der Prophet: „Ich nahm die 30 Silberlinge und warf sie in das Haus Iehovahs zum Töpfer." Zn der alten griechischen Übersetzung (der LXX) steht für das mit „Töpfer" wiedergegebene hebräische Wort ‘TäV>: Xwvevx^Qiov^&kp stätte, Schmelzofen. Nachdem die von Gott, bezw. dem Propheten als Wirten Israels, dem Volk geleisteten' Dienste so gering geschätzt worden sind, verwirft Gott in heiligem Stolz diese Wertung, um das Volk zum Nachdenken über sein Unrecht anzuleiten. Offenbar besteht zwischen diesen Worten und der Geschichte des Blutackers nur ein loser Zusammenhang. Nach Matth. 27, 9 f. kann man aber hier auch garnicht mehr erwarten. Der Evangelist bezieht sich nicht auf Sacharia, sondern auf Ieremia. Von diesem war zur Zeit des Matthäus die folgende, in die Form der Vergangenheit gehüllte Weissagung in Umlauf: „Sie nahmen die 30 Silberlinge, den Preis des Geschätzten, den sie geschätzt hatten, von den Söhnen Israels weg und gaben sie in den Acker des Töpfers, wie mir der Herr bestimmte (eig. zusammenstellte)." In dem uns vorliegenden Ieremiabuch kommen Kap. \8 und IQ Töpfer vor (Jerusalem soll wie ein Topf zerbrochen werden), aber der obige Wortlaut findet sich hier nicht. Demnach teilte die fragliche Weissagung das Los der Matth. 2, 23 vorkommenden: sie wurde nur mündlich fortgepflanzt. In beiden Fällen wird ja auch ausdrücklich von Gesagtem, nicht von Geschriebenem geredet (vgl. Matth. 5, 2\, bes. ^3). Ebenso pflanzten sich in der ältesten Kirche einzelne Aussprüche Jesu nur mündlich fort. Es ist jedoch möglich, daß die betreffenden Worte in einzelnen Handschriften des Ieremiabuchs standen, wie denn Hieronymus sie in einer solchen entdeckte, und daß Eusebius recht hatte, wenn er behauptete, die Juden hätten die Stelle ausgemerzt. Jedenfalls wurde Ieremia beim Studium der Schrift des älteren Sacharia, des Sohnes Ieberechjas, von Gottes Geist über den Vorgang erleuchtet, der uns heute beschäftigt. Neben der Wortweissagung inbetreff desselben giebt es auch eine That- oder Geschichtsweissagung: die Erzählung von Naboths Weinberg, dem Blutacker in Iesreel, den Ahab mit Naboths Blut erwarb und den sein Sohn Ioram mit dem eigenen Blut düngte ((. Aön. 2\; 2. Kön. 9). Doch gehen wir hierauf nicht weiter ein. Judas, welcher das Gold der Treue gegen das Silber des irdischen Vermögens eintauschte, versuchte vergeblich, das Böse wieder gut 511 machen: er war unrettbar verloren. Aber für Juda und ganz Israel giebt es trotz ähnlicher Sünde noch eine Rettung. „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!" rief das vom hohenrat bethörte Volk am Todestage seines größten Sohnes. Diese