Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Glänzende Erinnerungen knüpfen sich an den Namen Judas Makkabäus. Eine edle Gestalt ist auch Judas, der Lohn des Iakobus, der die Beinamen Lebbäus und Thaddäus führt, der als Apostel IEsu in Edessa, Persien und Assyrien gewirkt haben und endlich als Märtyrer gestorben sein soll. Dagegen befleckt das Andenken des gleichnamigen und gleichgestellten Mannes von Rarioth eine unauslöschliche Schuld. Mährend die andern Apostel des Erlösers Galiläer waren, stammte dieser Judas aus Judäa, denn Rarioth, feine Heimat, lag bei Hebron. Lein guter Geist führte ihn zu IEfu, aber der böse, der mit dem guten kämpfte, kam bald wieder zur Herrschaft. Insonderheit erstickten Diebsgelüste die frommen Regungen. Lange duldete der HEiland ihn in seiner Nähe, aber diese Langmut brachte den Unglücklichen nicht zur Besinnung. Beim letzten gemeinsamen Mahl wurde er als Verräter entlarvt. Fortan nahm ihn der Latan ganz und gar in Besitz. Judas hatte bisher bei IEfu nicht seine Rechnung gefunden: jetzt wollte er auf andere Weise auf seine Rosten kommen. Er verkaufte seinen Meister für 30 Lekel oder Tetradrachmen (72 Mark) an den Großen Lanhedrin. Für den gewöhnlichen Preis eines Sklaven (2. Mof. 2{, 52) trat er den mit Füßen, dessen Brot er gegessen hatte, während einer von IoabsRriegern den Aufwiegler Absalom nicht für t000 Lekel anrühren wollte (2. Sam. \8, j2). Verabredetermaßen überantwortete er IEsum in stiller Nachtstunde mit einem Ruß (vgl. 2. Sam.t 20, 9 f.) an die Tempelwache. Aber diese Wiederholung und Überbietung der Ier. \ f. berichteten Schandthat stürzte ihn nicht lange darauf in die Nacht der Verzweiflung. Das eingeschlafene Gewissen erwachte bei ihm wie bei Shakespeares Lady Macbeth oder bei Rarl IX., dessen Eiden Loligny geglaubt hatte. Er bereute es, der satanischen Eingebung und Leitung gefolgt zu sein, unschuldiges Blut verraten zu haben. Doch die Sinnesänderung kam zu spät. Das Zeugnis des Verräters für die Wahrheit konnte ebensowenig wie die Rückgabe der 30 Silberlinge den Hohenrat bewegen, den Handel rückgängig zu machen. Ralter Hohn trieb den Verzweifelnden aus dem Tempel hinaus und in den Tod hinein. (Ein ergreifendes Gemälde von Runzmeyer in München stellt seine letzten Augenblicke so dar, daß ihm in einer Vision der am Rreuz sterbende Heiland erscheint.) Gleich Ahitophel erhängte Judas sich. Wie es nach Apg. \ scheint, benutzte er einen Baum, der am Rande einer Anhöhe stand. Der Strick riß, und der Rörper fiel kopfüber in die Tiefe. Der Grund und Boden, auf dem dies geschah, war sein eigener, war der Acker, zu dessen Erwerb er Anlaß gegeben hatte (Vs. 25 und J8). Nach Matth. 27 warf er den Sündensold, den 60 fachen Betrag der Tempelsteuer, beim letzten Besuch des Heiligtums von sich. Der Sanhedrin wollte das Geld nicht in den Gotteskasten legen und verwendete es zum Ankauf eines Begräbnisplatzes für Pilger. Den Heimatlosen eine Ruhestätte zu beschaffen, war des HEilands Aufgabe. Er löste dieselbe mittelbar auch dadurch, daß mit jenen 30 Sekeln ein Töpfersacker, aus dem man früher Thon gewonnen hatte, in einen Gottesacker verwandelt wurde.