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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 5 (1898) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
54 (1898)
Issue
5 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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3H treu blieben, rief Ludwig zu: ,,Warum harret ihr aus bei mir altem, verlassenem Mann? £>, geht zu den Glücklichen, damit die Treue euch nicht verderbe I" Der Aaiser gab sich nunmehr selbst gefangen. Beendigt wurde der traurige Familienzwist erst durch seinen Tod (8H0), dem 3 Jahre später der berühmte Vertrag von Verdun folgte. Der schändliche Verrat des Jahres 833 wurde von Adolf Stöber in einem ergreifenden Gedicht dargestellt. Nach ihm liegt der Schauplatz desselben bei Thann, also weiter nach Süden. Gr schildert das Lügenfeld als eine Wüste unter dem Fluch, wo keine Saat gedeiht und nur Farrenkräuter wachsen, wo kein Vogellied erschallt. Der Arieger im Gisenharnisch, welchen der Dichter einem Wanderer erscheinen läßt, klagt: „Geschwor'ner Treue Bruch hat längst auf uns geladen des Fimmels Rachespruch." Einen Teil der Schuld wälzt er auf Papst GregorIV. „Der heilige Vater selber hat uns den Sinn bethört: Es gelte keine Treue, die man dem Sünder schwört." Wegen der hier bewiesenen deutschen Untreue sind, wie der Geist weiter sagt, auf diesem Feld die Bäche vertrocknet, ist der Anger verdorrt. In meilenweiten Gängen unter dem Boden schläft das zum Abfall verleitete Heer. Eine noch größere, das gesunde Gefühl noch mehr empörende Untreue zeigt uns. die Geschichte des Apostels Judas Ischarioth. Von einem noch furchtbareren Frevel erzählt uns der Blutacker bei Jerusalem. Während meines Aufenthalts in der heiligen Stadt unternahm ich einst mit einem dort ansässigen Herrn eine Wanderung durch das Thal Hinnom. Wir kamen vom Sultans- oder Untern Gihonsteich, zogen also von Westen nach Osten. Links hatten wir den Zion mit dem angeblichen Grabe Davids (Nebi Daüd), rechts den Berg des Bösen Rats (Vseliebel Abu Tor), auf welchem nach der Überlieferung der Hohepriester Aaiphas ein Landhaus besaß. Das Thal mündet im Osten, gegenüber dem Berg des Ärgernisses (Dsckebel Baten el- Hawa), in das Feuerthal (Wadi en-När), wie die Aidronschlucht hier genannt wird. Am Areuzungspunkt befand sich einst die Thopheth, die Brandstätte, wo z. B. unter Manasse dem Moloch Ainderopfer dargebracht wurden. Iosia ließ diesen Platz verunreinigen. Zur Rechten, am Abhang des Berges, giebt es zahlreiche Felsengräber. Zwischen den letzteren erhebt sich ein zum Teil aus Quadern erbautes, düsteres Haus, eine Vorhalle von Grabkammern. An dem Grundstück, auf dem es steht, haftet die Überlieferung, daß es der für das Blutgeld des Judas erworbene Blutacker (Hakeldama, eig. Chakal.Dema) sei. Da in der Nähe Thongruben sind und da bis in die neuste Zeit auf diesem Platz Pilger, die in Jerusalem starben, begraben wurden, ist jene Angabe nicht ganz unwahrscheinlich. Auch das kann zu Gunsten derselben angeführt werden, daß es schon zur Zeit IGsu in größerer Nähe des Tempels viele Gräber gab und so besonders am Ölberg für die Leichen von Fremden kein freier Platz mehr übrig war. Doch hiermit wenden wir uns der Geschichte des Blutackers zu, deren Mittelpunkt der unselige Judas ist.

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