Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 4 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 auszuüben, um die Seinen ans dem Stande zu erhebe», dagegen anf den Nacken Seiner Feinde Seinen Fuß zu stellen. Gieb uns, o Gott, was wir;um Heil, zur ewigen Seligkeit brauchenI Ziehe uns zn Dir und dann zn Deinem Sohne, in dem allein wir volles Genüge finden können I Laß uns Dich von ganzem Herzen fürchten, damit wir die Sonne der Gerechtigkeit anfgehen sehen und von ihren Flügeln Heilung empfangen! Die israelitische Geschichtsschreibung. „Die Juden waren ein für Auffassung und Darstellung geschichtlicher Thatsachen unfähiges Volk." So urteilt Seinecke in feiner Geschichte des Volkes Israel. Durch dies Urteil wird die im A. T. überlieferte Geschichte Israels von vornherein verdächtig gemacht. Der große Geschichtsschreiber Ranke hat anders gedacht. Gr schreibt: „Indem wir in den Überlieferungen des Buches der Bücher über Israel wirkliche Geschichte erkennen, vermissen wir uni so mehr ähnliche Berichte über die benachbarten Nationen." Hiermit wird Israel ein dies Volk vor andern Völkern auszeichnender historischer Sinn zugeschrieben. Woher kam es, daß dieser Sinn den übrigen Völkern -fehlte? Gott hat bis auf Lhristum die Völker außer Israel ihre eigenen Wege gehen lassen. Sein Geist, der Geist der Wahrheit, waltete wohl auch über ihnen. Denn Gott ist nicht bloß der Juden, sondern auch der Heiden Gott. Und Gottes Geist offenbarte sich auch in tiefsinnigen Lehren, z. B. bei einem Sokrates, j)lato, Aeschylus, Sophokles, Gicero, Seneca, sowie in vielen Thaten edler Selbstaufopferung und Frömmigkeit. Aber dieser Geist war doch in den Völkern nicht mächtig genug, um die Sünde, den Selbstbetrug und den Geist der Selbstverherrlichüng, der von Natur in allen Menschen wohnt, zu besiegen. Je mehr die Völker an Macht und menschlicher Weisheit Zunahmen, desto mehr wuchs in ihnen auch der Selbstbetrug und Größenwahn. Und zumal in den Stunden der Entscheidung fehlte ihnen die demütige Selbsterkenntnis, ohne welche ein wahrhaft historischer Sinn nicht bestehen kann. Darum sind ihre alten Überlieferungen nur von Menschen erdichtete Mythen, Fabeln, Sagen, aus denen ein historischer Aern sich nirgends mit Sicherheit herausschälen läßt. Darum haben sie in ihrer Geschichte nur einen Spiegel ihres wachsenden Ruhms gesehen. Darum sind sie denn auch alle durch ihren Größenwahn untergegangen. Aber Israel ist geblieben, obwohl es unter alle Völker zerstreut wurde und daher schon seit Jahrtausenden unter Verhältnissen lebt, bei welchen jedes andere Volk längst untergegangen wäre. Der Geist der Wahrheit hat über diesem Volksgeist gewaltet und Israel wieder und wieder zur Selbsterkenntnis, zur Buße geführt. Alle seine heiligen Schriften sind gerade das Gegenteil einer Selbstverherrlichung des Volkes. Diese wird in ihnen aufs schärfste' gestraft. Wohl hat auch Israel die Neigung zum Größenwahn gehabt, ja, sich oft genug dem Größenwahn ergeben und gemeint, als auserwähltes Volk Gottes dazu ein besonderes Recht zu haben. Aber es hat sich doch immer wieder durch Gottes