Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 4 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Führungen in Gerichten und Erbarmungen zur demütigen Selbsterkenntnis zurückführen lassen, wie die heiligen Schriften des A. T. beweise». Freilich als seit den Siegen der Makkabäer der Größenwahn des Volkes im Lunde mit seinem pharisäisch gesetzlichen Sinn wieder hoch gestiegen war, da vermochte es nicht Johannes der Täufer, ja, selbst der verheißene Messias nicht, das Volk in seiner Masse zur Selbsterkenntnis und Buße zurückzuführen. Es hat den Sohn Gottes gekreuzigt, weil er als der demütigste aller Menschen erschien. Nur eine Auswahl von Israel, die sich zu Ehristo bekehrte, ist dem Geiste der Wahrheit gefolgt. Von dieser Auswahl strahlt seitdem das Licht der Menschheitsgeschichte aus, das alle wahre Geschichtsschreibung ermöglicht. Die übrigen sind nun freilich, soweit sie Ehristum nicht erkennen wollen, ein für den Geist der Wahrheit mehr oder weniger unempfängliches und daher auch „für Auffassung uud Darstellung geschichtlicher Thatsachen unfähiges Volk" geworden, ein petrefakt aus ältester Zeit, das alle Völkerstämme überdauert. Aber der Geist der Wahrheit läßt seine Verheißungen nicht Lügen strafen. Das jDetrefakt wird wieder lebendig werden (Hesek. 37, \—^). Dann wird Israel wieder wie ehedem eine heilige Geschichte haben und schreiben können, i» welcher nicht sein Ruhm, sondern Gottes Gnade und Herrlichkeit verkündet wird. E. B. Eine Leichenfeier auf hoher See. Wir befinden uns an Bord eines englischen Schiffes. Dasselbe hat vor einigen Tagen Neapel verlassen, um die Rückreise in die Heimat anzutreten. Da ist ihm auf hoher See der Todesengel begegnet, und jetzt soll die Beute desselben ins nasse Grab hinabgeseukt werden. Wer ist der Tote, den man bestatten will? Der Aapitän gibt die verlangte Auskunft. „Der hier im Sarge ruht," so erzählt er, kam in Neapel schon als ein Todeskandidat aufs Schiff. Er war ein jüdischer Student der Medizin, der in Italien für sein Lungenleiden Heilung gesucht, aber nicht gefunden hatte. Weil seine Aräfte immer mehr schwanden, wünschte er in die Heimat zurückzukehren, unr bei den Seiniaen zu sterben. Er sollte dies Ziel nicht erreichen, aber ein besseres: er durfte in die himmlische Heimat eingehen. Als ich ihn in seiner Aabine besuchte, merkte ich, daß er ein Freidenker war. Von dem Heiland der Sünder wollte er nichts hören. Ja, er äußerte einen glühenden Haß gegen IEsum. Er fluchte den: Namen, der uns der teuerste ist. Da betete ich zuerst in der Stille für die Seele des Unglücklichen. Dann ging ich wieder zu ihm und flehte an seinem Lager laut um Gottes Erbarmen. Jetzt wurde er stiller und erlaubte mir, etwas aus dein A. T. vorzulesen. Ich las Iesaia 53. Als ich an Vers 7 kam, brach die Eisrinde, welche das Herz des Jünglings umgeben hatte. Thränen der Rührung und Buße strömten aus seinen Augen. Er, der vorher trostlos und verzweifelnd dagelegen hatte, durfte himnilischen Frieden empfinden. Am folgenden Tage konnte er nicht genug von dem früher geschniähten IEsus