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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 3 (1898) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
54 (1898)
Issue
3 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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oo Iieuguisse des Dichters Christian Fürchtegott Geliert. Ich habe 50 Jahre gelebt und nlannigfaltige Freuden des Lebens genossen. Reine sind dauerhafter, unschuldiger und glücklicher für mich gewesen, als die mein Herz nach dem Rate der Religion gesucht und genossen hat. Das bezeuge ich auf mein Gewissen. — Ich habe 50 Jahre gelebt und viele Mühseligkeiten des Lebens erduldet; aber ich habe nicht mehr Licht in Finsternissen, mehr Siätfe, mehr Trost und Mut in den Leiden gefunden als bei der Quelle der Religion. Das bezeuge ich auf mein Gewissen. — Ich habe 50 Jahre gelebt und bin mehr als einmal an den Pforten des Todes gewesen; ich habe es erfahren, daß nichts, nichts ohne Ausnahme als die göttliche Rraft der Religion die Schrecken des Todes beseitigen hilft, daß nichts als der heilige Glaube an unfern Heiland und Erlöser bcn bangen Geist bei dem entscheidenden Schritt in die Ewigkeit stärken und das Gewissen, das uns anklagt, stillen kann. Das bezeuge ich vor Gott. Die Mel als System. An: \. Januar d. I. predigte Generalsup. D. Dryander in der Schloßkirche zu Berlin über {. Ioh. 5, \2. Dieser Vers, welchen der Raiser selbst zum Text bestimmt hatte, lautet: „Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den 5ohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht." Der Genuß des wahren Lebens ist hiernach an die Gemeinschaft mit IEsu Lhristo gebunden. Es läßt sich begreifen, daß diese in verschiedenen Gestalten erscheinende Grundlehre des N. T. bei manchen! Anstoß erregt. Aber das Bedenken schwindet, wenn man sie im Zusammenhang der ganzen Offenbarungsgeschichte betrachtet. Überhaupt darf man. Worte der Bibel nicht aus ihrem Mutterboden Herausreißen, wenn man sie verstehen will. So muß denn auch jede Unterweisung des Ungläubigen seitens des Gläubigen das Nacheinander und Ineinander der Glaubenssätze aufzeigen. Systematisch verfuhr Lukas bei der Abfassung seines Evangeliums (b 3). In geschichtlicher Reihenfolge schilderte Petrus der christlichen Urgemeinde die Ereignisse, die ihn dazu bewogen halten, eine Tischgemeinschaft mit Heiden einzugehen (Apg. \\, H). Auf einer schöngebauten Runststraße zog Paulus im Römerbrief einher, uni das Ganze seiner apostolischen Verkündigung darzustellen. In allen diesen Fällen waren bereits Anknüpfungspunkte für die Belehrung vorhanden. Wieviel weniger darf man auf wohlgeordnete, festzusammenhängende, tiefgründende Entwicklung verzichten, wenn es noch an Verbindungslinien fehlt! Begnüget Euch also nicht mit der Predigt von Einzelheiten, Ihr Freunde Israels, sondern suchet das Besondere als ein Glied der ganzen Rette, als einen Baustein des ganzen Hauses, als einen Stern des ganzen Sonnensystems zu erklären! Weiset die Einheit nach, welche zwischen den Teilen des N. T. besteht, aber machet^ dann auchAdarauf aufmerksam, daß der Inhalt des N. T. mit dem des A. T. zusammengehört, daß der neue Bund nicht ein vom Himmel gefallenes Artenusbild (Apg. \yf 55), sondern die Frucht der Aussaat des alten ist (Apg. 26, 22 f.)!

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