Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2( Im Anschluß an das zuletzt genannte Werk stellte der Dortrag die religionsphilosophischen Gedanken des scharf- und tiefsinnigen Hamburger Arztes unter vier Gesichtspunkten dar. Gr beleuchtete zuerst die Methode, sodann den Zweck, ferner das Prinzip und den allgemeinen Lharakter und endlich die Hauptstücke der Rauschenplat'scheu Religionsphilosophie. Bei dem vierten Punkt stellte er obenan die Aussagen über das Wesen der Religion: Religion ist Leben in Gott. Ohne das Gefühl ihres Zusammenhanges mit Gott führt die Menschheit nur ein Scheinleben. Wenn die Philosophie aus dem Kerzen hervorwächst, so wird sie Leben. Wenn sie Leben wird, wird sie Religion. Wenn sie Religion wird, wird sie Lhristentum. Hierauf besprach der Vortrag die Gottesidee des Philosophen und deckte ihre mit der pantheistischen Grundrichtung Rauschenplats zusammenhängenden Mängel auf. Weiter kamen die Anschauungen von den Stufen der göttlichen Offenbarung zur Sprache. Hier handelt es sich um die Schöpfung und die Erlösung. In beiden Ereignissen zeigt sich nach unserm Denker das Grundgesetz alles Lebens: der Zusammenfall der Gegensätze. Am völligsten aber werden im zweiten die Gegensätze zum Ausgleich gebracht. Wegen des ungestörten Zusammenklingens von Natur und Geist in Ehristo ist dieser nicht nur wie Sokrates ein nationaler, sondern der allgemeine Erlöser. Zuletzt erörterte der Vortrag die praktischen Folgerungen aus diesen theoretischen Aufstellungen. Rauschenplat verlangt, daß wir den, das Göttliche und Menschliche in vollen! Einklang darstellenden, sündlosen Ehristus als einen unerschöpflichen Araftakkumulator benützen sollen. Nach Ehristi Beispiel sollen wir wandeln: rnit dem reinen Gottesgeist erfüllt. Aller Weisheit Anfang ist der Glaube an ihn, den Genius. Seiner Forderung gemäß sollen wir sodann nach der Wiedergeburt trachten, damit das empirische (zeitliche) Ich das Gottes-Ich als Mittelpunkt erlange. Je größer die Annäherung an Gott, desto größer die Teilnahme an seiner Ruhe und Schöpferkraft. Hier wurden noch die Ansichten des Philosophen betreffs der Wunderthaten und der Leiden JEsu erwähnt. Nachdem der Vortrag schon bei den einzelnen Teilen der Besprechung die Abweichungen dieser Religionsphilosophie von den biblischen Lehren berührt hatte, stellte der Schluß das Gesamtergebnis von Rauschenplats Nachdenken unter das Licht der heiligen Schrift, der einzigen absolut zuverlässigen Wegweiserin zur Wahrheit, der norma normans, die den Glaubensausdruck als die norma normata schafft. Nach dem doppelten „u. n.“ der Airche beurteilt, können manche Behauptungen des von dem doppelten „n. n.“ der spinozistischen Denkweise, der natura uaturans und der natura naturata, abhängigen Hamburger Arztes nicht aufrecht erhalten werden. Insonderheit steht der wirkliche Ehristus mit Bezug auf seine Person und sein Werk über dem von Rauschenplat gezeichneten. Jin übrigen aber werden alle Leser des in Aommission von L. Gräfe und Sillem in Hamburg erschienenen „Ecce liomo“ vielfache Anregungen empfangen.