Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2555022-2555024--09778-2565968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht auch der Messias gesagt: Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe?" Die Zahl der während der ganzen Missionsreise verkauften und verschenkten Schriften war recht bedeutend. Neben 85 Alten und \\2 Neuen Testamenten wurden J[00 Haphtaras, 75 Psalter, $0 Exemplare des Matthäusevangeliums, 609 Traktate und Bücher verbreitet. Ein christlicher Philosoph über den Zionismus. Zn unserm schreiblustigen Zeitalter ergießt sich über jedes wichtige geschichtliche Ereignis alsbald eine Flut von größeren und kleineren Aundgebungen berufener und unberufener Beurteiler. Auch dem Zionismus bleibt dies Los nicht erspart. Eine der beachtenswertesten Schriften über denselben ist die in der vorigen Nummer der ,,D. E." angezeigte von F. Heman: ,.Das Erwachen der jüdischen Nation." Der Verfasser wirkt als Professor der Philosophie an der Universität Basel und zugleich als Leiter des Baseler Vereins von Freunden Israels. Schon vor mehr als J(5 Jahren hat er in einer Schrift über die religiöse Weltstellung des jüdischen Volkes gefordert, daß die Iudenfrage von den Juden selbst gelöst werden müsse. Er begrüßt nun den Zionismus als den ersten Versuch zu dieser Art der Lösung. Besonders erfüllt es ihn mit Freude, daß die damals von ihm befürwortete Rückkehr Israels nach Palästina im zionistischen Programm steht. Er meint, das heilige Land könne durch die Juden für die Welt die Bedeutung erhalten, welche die Schweiz für Europa hat. Er verkennt die großen Schwierigkeiten nicht, welche der Ausführung des Gedankens im Wege stehen. Es wäre ein Selbstmord für die Pforte, wie er sagt, wenn sie einen selbständigen Iudenstaat entstehen ließe. Auch würden die Großmächte, denen jetzt erst Areta und Griechenland so viel Arbeit gemacht haben, nicht geneigt sein, eine neue Last sich aufladen zu lassen. Das jüdische Reich kann nur auf den Trümmern der bisherigen Staatengebilde des Morgenlandes entstehen. Aber wenn das Ziel auch noch fern ist, so blickt Heman doch mit guten Hoffnungen auf die um die Zionistenfahne gescharten Männer hin, welche es 511 erreichen suchen. Er hat von der Besonnenheit der Führer bei der großen Heerschau der Zionisten in Basel einen günstigen Eindruck empfangen. Namentlich schätzt er die freimütige Selbstkritik, welche sie ausüben. Er wünscht, daß wir Deutschen die jüdisch-nationale Bewegung in jeder Weise mit der That unterstützen, da dies auch im deutschen Staats- und Volksinteresse liege. Ein Staat, welcher für den Zionismus eintritt, fördert nach Heman den Frieden im eigenen Innern und schafft eine Frage aus der Welt, welche das innere Volksleben schon so oft in Aufregung versetzt hat. Allerdings darf der zu gründende Iudenstaat als ein wirklich moderner mit moderner Rultur und Zivilisation die dieser^Aultur und Zivilisation zu Grunde liegenden Grundsätze des Lhristentums nicht verneinen, wie denn ja auch schon das Reformjudentum eine freundlichere Stellung zum' Christentum einnimmt. Unser Philosoph traut es der