Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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warum ihr nirgends zu Haufe und ohne König, Tempel und Opfer seid." Einem andern Rabbiner erklärte der Missionar: „Gerne verkündige ich im Namen des Messias den Gefangenen Befreiung. Aber ich benütze auch gerne die Gelegenheit, die zum Licht zu führen, welche die Seelen in den Banden der Unwissenheit festhalten, da sie besonders zu bedauern sind. Sie werden sich eines Tages nach Ier. 6, vor dem Gott Israels zu verantworten haben." Wie abhängig die Juden in Marokko von ihren Rabbinern sind, erkannte Z. auch bei einem Besuch des jüdischen Friedhofs, der einen überaus kläglichen Anblick darbietet, da die Araber die in ihrem Stadtteil gefallenen Tiere hierher werfen, um sie hier von Kunden und Raben verzehren zu lassen. Auf diesem Platz sah der Reisende eine fast nackende junge Jüdin, die an das Grab eines Rabbiners gekettet war. Die Unglückliche war geistig gestört und sollte durch die Vermittlung des toten Rabbiners geheilt werden, wie.im Sultanat Marokko auch sonst Friedhöfe als Irrenhäuser dienen (vgl. Mat. 8, 28). Der Lhrist konnte sich nicht enthalten, einem Juden zuzurufen: „Das ist grausam I Das ist Abgötterei! Wie könnt Ihr Euch wegen der Lebendigen an die Toten wenden?" Der Jude aber bat ihn geheimnisvoll: „Lassen Sie unsere verehrten toten Rabbiner außer Betracht! Sonst wird der Haß derselben Ihnen folgen." Z. antwortete mit dem Gebetsseufzer \. Kön. \8, 37. Demselben Menschen- und Totendienst war ein Jude aus dem Atlas ergeben, mit welchem der Prediger des neuen Bundes in Marokko zusammentraf. Nach einer längeren Unterredung mit dem 60jährigen Mann, der bis dahin noch nie etwas vom Neuen Testament gehört hatte, rief derselbe: „Möge der verehrte Rabbi Simon Bar Iochai uns helfen unsere Sünden vertilgen!" Z. verwies ihn auf Ief. ^3, 25. Einmal legte einer seiner Zuhörer das Bekenntnis ab: „Unsere Väter haben den wahren Messias gekreuzigt, und deshalb ist Gott zornig über uns." Aber andere mahnten ihn still zu sein: „Wenn die Rabbiner uns hören, werden wir nicht in unfern eigenen Betten schlafen." Dieser Ausdruck wird mit Bezug auf Gefangennahme gebraucht. Da die Juden der rabbinischen Gerichtsbarkeit auch in bürgerlichen Sachen unterworfen sind, befinden sie sich ganz in den fänden ihrer Schriftgelehrten. Die letzteren können Geld- und Gefängnisstrafen über sie verhängen. Der Aufenthalt unseres Missionars in Marokko währte fast einen Monat. Er schreibt im Rückblick auf diese Zeit: „Der HErr segnete mich reichlich mit Seiner Kraft und Liebe, während ich unter dieser nicht nur durch Fanatismus, Fatalismus und Aberglauben, sondern auch durch Alkohol verhärteten Bevölkerung lebte. Ich freue mich einige Zuhörer gehabt zu haben, die nicht fern waren vom Himmelreich." Am Morgen des Tages, an welchem er die Rückreise antrat, erschienen viele Juden und Araber, um sich von ihm zu verabschieden. Einer der ersteren drückte sein Erstaunen darüber aus, daß Z. ohne die Begleitung eines Soldaten nach Mogador zurückkehren wollte, und meinte: „Es kann Ihnen ein Unfall begegnen." Aber der Christ antwortete: „Sie vergessen Pf. 25, 6. Und hat