Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Herzogin Agnes von Zachsen-Altenburg ist eine der fürstlichen Personen, deren die Geschichte der Iudenmission gedenkt. Sie wurde am 2\. Juni s82H zu Dessau geboren. Ihr Vater war der s87s gestorbene Herzog Leopold von Anhalt. Ihr s83s geborener Bruder Friedrich ist der jetzt regierende Herzog von Anhalt, ihre Schwester Maria Anna, geb. s837, die Witwe des \885 gestorbenen preußischen Prinzen Friedrich Äarl. s853 vermählte sie sich mit dem damaligen Erbprinzen und jetzigen Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg. Ihr einziges Rind, Prinzessin Marie, trat mit dem Prinzen Aibrecht von Preußen, dem jetzigen Regenten von Braunschweig, in die Ehe. Im Jahre M9 gab Herzogin Agnes ein Büchlein heraus, welches ihre Liebe zu den Rindern Israels bekundete. Der Titel lautet: „Ein Wort an Israel." Die Schrift enthält eine Zusammenstellung biblischer Zeugnisse zu Gunsten der christlichen Lehre von der Messianität Jesu. Di'. Friedrich Ahlfeld, der berühmte Prediger, führte sie mit einer Vorrede ein, in welcher er auf das freundliche Verhalten der anhaltischen Fürsten zu ihren jüdischen Unterthanen, aber auch auf den Missionstag hinwies, welchen die jüdische Gemeinde zu Dessau infolge des kühnen Auftretens des Rabbiners Efchel erlebte. Diese Ahlfeldsche Vorrede wurde vor sO Jahren in den „D. E." abgedruckt (J888, Nr. 2). Damals bezeichneten nur die Anfangsbuchstaben „H. A." auf dem Titel die hohe Verfasserin, obwohl sich die Herzogin sonst offen zu ihrer Arbeit bekannte. Später durfte der volle Name auch in der Schrift selber genannt werden. Von dem Verein für innere Mission im Herzogtum Sachsen-Altenburg ging der Verlag an das Leipziger Institutum Judaicum über. Das letztere veröffentlichte 1895 die fünfte Auflage. In seiner Schriftenreihe bildet das Buch der Herzogin die Doppelnummer 37/38. Der Preis beträgt \ Mk. Das „Wort an Israel", wurde nicht nur ins Hebräische und Jüdisch-Deutsche, sondern auch ins Dänische, Schwedische, Englische, Französische, Holländische, Italienische und Russische übersetzt. Der Dank der Freunde Israels und gewiß auch mancher Israeliten folgt der am 23. Oktober f897 zu Hummelshain entschlafenen Fürstin in die Ewigkeit. Jtzsu, hilf fiegent Eine arme Frau in Berlin wollte aus Verzweiflung über ihre traurige Lage an einem Sonntagmorgen ihrem Leben ein Ende machen. Zweimal schauderte sie zurück, als sie am Ufer der Spree stand. Zum drittenmal dem waffer zueilend, fest entschlossen, nunmehr in den Tod zu gehen, hört sie aus einer geöffneten Kirchenthüre Orgelklänge. Sie kann diesen Tönen nicht widerstehen und betritt das mit einer Diakonissenanstalt verbundene Gotteshaus. Eine Schwester macht ihr j)latz und reicht ihr ein Gesangbuch. Die Gemeinde singt gerade das herrliche Lied von Ioh. Heinr. Schröder: IEsu, hilf siegen, du Fürste des Lebens! Sieh', wie die Finsternis dringet herein, Wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein! Wütet die Sünde von außen und innen, Laß mir, HLrr, niemals die Hilfe zerrinnen!