Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 12
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2555035-2555047--09760-2565949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
94 bestrafen, welche ihre eigene Sorglosigkeit oder Verkommenheit nicht zu hindern verstand. Ich sehe vor mir und begrüße das Bild des Gekreuzigten. Es steht hier in Ihrem Gerichtssaal, wo Sie die Schuldigen verurteilen. Aber weshalb findet es sich nicht in den Schulen, in die Sie die Rinder berufen, um sie zu unterweisen? Warum strafen Sie im Einblick auf Gott, auf die Seelen? Warum wird dem Angeklagten hier, wo er sich vom Gesetz getroffen sieht, zum erstenmal der auf Golgatha Gekreuzigte vor die Augen gestellt? fjätte man ihn damals, als er noch auf den Schulbänken faß, auf den Gekreuzigten hingewiesen: man würde ihn jetzt nicht auf den Bänken der Schmach antreffen. Wer sagte ihm jemals: „Gs giebt einen Gott?" Wer lehrte ihn das göttliche Gebot: „Du sollst nicht töten?" preisgegeben wurde diese Seele allen schlechten Leidenschaften. Dieser junge Mann wuchs auf wie die wilden Tiere in der Wüste, allein mitten in der Gesellschaft, die ihn töten wird wie eine Tigerin, während sie ihn sanft erziehen konnte und erziehen mußte wie ein Lamm. Ja, Sie sind es, meine Herren, die ich anklage, Sie, die Sie mit Bildung protzen und dabei doch Barbaren sind, Sie Sittenlehrer, die Sie unter dem Volk Unglauben und Lüsternheit verbreiten und sich dann wundern, daß das Volk Ihnen mit Verbrechen und Roheit antwortet. Verurteilen Sie meiüen Alienten! Sie haben das Recht dazu. Aber ich klage Sie an, und das ist meine Pflicht." Ire KsauöwürdigKeit der Möef. CEtu Ungläubiger forderte eine christliche Frau, eine eifrige Bibelleserin, auf, ihm einen Beweis dafür zu geben, daß Gott durch die Bibel mit ihr rede. Da fragte sie: „Können Sie mir beweisen, daß es am Fimmel eine Sonne giebt?" Er antwortete: „Beweisen soll ich das? Ist es nicht Beweis genug, daß sie mich wärmt und ich ihr Licht sehen kann?" „Gerade so geht es mir mit meiner Bibel," sagte nun die fromme Frau. „Sie erleuchtet meinen Geist und macht mein Herz warin. in früher nie geahnter Liebe. Das ist mir Beweis genug, daß dies Buch Gottes Wort ist." Zu Zes. 2, 2 f. wie diese Weissagung anfängt in Erfüllung zu gehen, zeigt die vom „Lalwer Missionsblatt"' veröffentlichte Geschichte des christlichen Fingnkaffern Petu Masiza. Dieser Mann, welcher als Missionar unter seinen Landsleuten thätig ist, hegte schon, als Kind den Wunsch, das heilige Land zu sehen. Wenn in der Schule von demselben die Rede war, traten ihm Thränen in die Augen. Gar zu gerne hätte er den Schauplatz der vornehmsten biblischen Geschichten kennen gelernt. Diese Sehnsucht blieb auch, als er herangewachsen war. Sie machte ihn, wie er selber sagt, fast krank. Jahrelang legte er seine Ersparnisse zurück, um das Geld für eine Reise nach Jerusalem zusammenzubekommen. Als er genug zu haben glaubte, konnte ihn nichts mehr halten. Ls war im Frühjahr 4896, als er aufbrach. Er reiste zunächst nach London, dann über Paris, Rom, Athen und Konstantinopel nach Palästina. Nachmittags in Jaffa angelangt, erreichte er noch am gleichen Abend Jerusalem, von seinem Aufenthalt daselbst schreibt er: „So hatte ich sie denn gesehen, die heilige Stadt, nach der ich schon als Knabe mich mit Thränen sehnte. Jerusalem, du Mutterstadt, die mich zum Kind erwählet hat, heute habe ich deine Zinnen erblickt, und meine Thränen sind getrocknet. Möchte es mit dem himmlischen Jerusalem ebenso sein!" In Jerusalem empfing er aus den fänden des anglikanischen Bischofs Blyth das heilige Abendmahl. Am gleichen Tage, einem Sonntag, hielt er auf des Bischofs Wunsch eine Ansprache vor Arabern und Türken. Die ganze Reise hinterließ tiefe Eindrücke bei ihm. „Es ist mir," sagt er, „als sei ich