Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 12 · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 12
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2555035-2555047--09759-2565948
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

93 Aber den Baseler Iromstenkongreh schreibt uns ein evangelischer Pfarrer in Württemberg: „Mir scheint die Sache für die Entwicklung des Reiches Gottes keine Bedeutung zu haben. Das ist offenbar ein rein weltlich Ding. Die eigentlich orthodoxen Juden sind wohl nicht dabei. Auf einen Messias verzichten sie, scheint's: nicht bloß auf den gekommenen, sondern auch auf den zukünftigen. Wenn ihnen sogar der 5ultan als Erlöser genug ist, dann sind sie sehr bescheiden geworden. Entweder ist es protzige Utopie, oder, wenn es Ernst wird, kann die Weissagung in Erfüllung gehen, daß der Mensch der Sünde sich in einen Tempel setzt. Für die Lhristenheit, für das Reich Gottes kann dabei nichts herauskommen. Es istnur eine weitere Verstockung." Ähnlich äußerte sich jüngst über die ganze jüdisch-nationale Bewegung der Mann, der auch nach dem Urteil der „Allg. Zeitung des Judentums" auf dem Gebiet der Iudenmission zur Zeit der erste Sachkenner ist, P. Lic. de le Roi. „Es will wohl beachtet sein," schreibt er im „Nathanael," „daß auch diese nationale Bewegung weit davon entfernt ist, die Juden zu religiöser Vertiefung und zur Selbsterkenntnis zu führen. Gerade im Gegenteil ist sie nur die neueste Form ihres Unglaubens und befestigt sie allein in ihrem sündlichen Stolz. Schlimmeres vermag nicht zu geschehen, als wenn man die Juden, welche von Bekehrung nichts wissen wollen, in ihren nationalen Bestrebungen bestärkt und sie so von dem Wege der Buße und Bekehrung ablenkt. Englische Ehristen, welche den Dr. herzl unterstützen, ja, auch Missionskreise in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Holland und Amerika, welche vor den Zuden der Gegenwart die nationale Fahne entfalten, tragen mit Schuld daran, wenn die Zuden an dem alleinigen Heile in dem Blute Ehristi vorübergehen." Ein Rechtsanwalt als Religionsanwalt. Auf der Anklagebank eines französischen Schwurgerichts faß unlängst ein s8jähriger Mörder. Der Präsident erklärte, daß die Roheit dieses Jünglings, der seine Verbrechen mit Lachen eingestand, selbst einem Unmenschen Grauen einflößen würde. Auf seine Frage: „Wer lehrte Sie solche erschreckende Ruchlosigkeiten?" antwortete der Angeklagte: „Was weiß ich?" Da nahm der Verteidiger das Wort, und seine Rede gestaltete sich zu einem machtvollen Zeugnis für die Bedeutung der Religion, insonderheit der christlichen, in der Schule und im öffentlichen Leben, wobei man zu berücksichtigen hat, daß Frankreichs Gemeindeschulen religionslos sind. Gr sagte: „Wenn das Gericht vom Angeklagten Rechenschaft fordert wegen seines Verbrechens, so erlauben Sie mir, daß ich vom Gericht Rechenschaft fordere wegen seines Urteils I Wie wird dieses lauten? Ich weiß es nicht. Aber das eine weiß ich, daß hier mancher in höheren: Maße schuldig ist als der Verbrecher selbst. Diesen Schuldigen oder besser diese Schuldigen zeige ich an. Sie sind es, meine Herren, die Sie die Gesellschaft vertreten, jene Gesellschaft, welche sich gezwungen sieht, Verbrechen zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.