Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 12
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Südlichen beabsichtigten einen Überfall. Auf fänden und Füßen näherte ich mich Ihnen, die Waffe in der Hand, gedeckt vom Schatten des Waldes. Ich wartete nur auf den paffenden Augenblick, da ich Sie beim Hin- und Zergehen ganz deutlich erkennen konnte. Endlich erhob ich mein Gewehr und legte an auf Ihre Brust. Ich war ein guter Schütze, und mein Offizier hatte mich deshalb mit dieser Aufgabe betraut. Als Sie aber so ab und zu gingen, vernahm ich, daß Sie leise vor sich hin die Melodie des Liedes summten, das Sie vorhin gesungen haben. Dann hörte ich deutlich die Worte in die Nacht hinausklingen: „Mt dem Schatten Deiner Flügel Sei mein wehrlos Haupt bedeckt." Da konnte ich nicht mehr schießen. Ich ließ mein Gewehr sinken. <£s wurde auch kein Angriff auf Ihr Lager unternommen. Ihr Gebet war erhört worden. Als ich Sie vorhin singen hörte, war ich innerlich sogleich gewiß, Sie seien der Mann, dessen Leben in jener Nacht auf diese weise beschützt wurde." Der Sänger ergriff mit tiefem Ernst die Hand des Südlichen und sagte: „Ich erinnere mich noch ganz gut an jene Nacht und weiß, wie niedergedrückt ich war, als ich mich auf Vorposten begab. Ich wußte, daß mein Posten großer Gefahr ausgefetzt war. Ich war niedergeschlagener als je sonst während meiner ganzen Ariegslaufbahn. Während ich auf und ab ging, dachte ich an die Heimat und an alle, die mir lieb und teuer waren. Dann drängte sich mir mit ganz besonderer Stärke der Gedanke auf, daß Gott für alles, was er erschaffen hat, Sorge trägt und daß er, der sogar der Sperlinge nicht vergißt, noch vielmehr sich des Menschen, der nach seinem Bilde geschaffen ist, annimmt. So sang ich schließlich dieses Gebeislied, und das Gefühl des Verlassenseins verschwand. Auf welche Weise der Herr mein Gebet erhörte, habe ich erst heute abend erfahren. Mein himmlischer Vater fand es für gut, mir das diese 28 Jahre nicht kundzuthun. Wie viele seiner Wunderwege erkennen wir nicht in dieser Weltl Aber im Lichte der Ewigkeit werden sie alle uns enthüllt werden." Michael Solomon Alexander. Schon wieder bietet uns der frühere Herausgeber der „D. E.", P. Lic. de le Roi, eine eingehende Lebensbeschreibung aus der Geschichte der neueren Iudenmission dar. Das von Bischof Alexander handelnde Buch vereinigt alle Vorzüge der de le Roi'schen Darstellungsweise und kann nicht warm genug empfohlen werden. Es erscheint zur rechten Zeit, da einerseits die armenischen Greuel und der türkisch-griechische Arieg, andererseits der Zionistenkongreß aller Blicke nach dem Morgenland gelenkt haben. Im Vorwort sagt der Verfasser: „Die orientalische Frage macht sich mit immer größerem Ernst in dem allgemeinen Leben geltend. Daß dieselbe aber nicht nur eine politische, sondern im letzten Grunde eine religiöse Bedeutung hat, ist allen denen offenbar, welche nicht bloß die Oberfläche der Dinge zu beobachten gewohnt sind. Von großer Wichtigkeit ist bei derselben das Eintreten der