Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 11
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2555035-2555046--09750-2565938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 er mir um Lhristi willen helfen wolle, hat er immer mein Gebet erhört." Gin Religionslehrer, welcher in Paris von der Mission beeinflußt wurde, sagte beim Scheiden: „Die wichtigste Erinnerung, die ich von hier mitnehme, sind das hebräische N. T. und unsere Bibelstudien." In Bukarest verteidigte sich ein Raufer des Evangeliums Matthäi gegen einen Tadler dieses Raufs mit der Erklärung: „Sie haben nie ein besseres Buch gelesen als dies. Alle Schriften des N. T. enthalten sehr viel Weisheit." In Mogador rief einer: „Warum ist das N. T. nicht in den fänden aller Juden? Sie wissen nicht, was sie damit verlieren. Je mehr man es liest, desto mehr liebt man es." Ein anderer wandte sich ebendort mit folgenden Worten an etliche Glaubensgenossen: „Wenn Ihr das N. T. gut verstehen wollt, so müßt Ihr die Propheten studieren. Ihr werdet dann sehen, daß es das Salz des A. T. ist, und der Messias wird so klar wie der Tag vor Euch stehen." Ähnlich lautet die von dem Missionsgehilfen in Bistritz ausgezeichnete, betreffs der Gottessohnschaft Thristi gethane Äußerung aus jüdischem Mund: „Wenn man Mose und die Propheten aufmerksam liest, so muß man beinahe schließen, daß der verheißene Messias auch Gott fein sollte. Glücklich ist der Mann, der die Lehre des N. T. öffentlich angenommen hat und so von der Rnechtschaft zur Freiheit gelangt ist." Missionar Rosenstrauch in Lemberg hörte von einem Juden, daß er das ihm geschenkte N. T. mit großem Nutzen gelesen und hierbei IEsum als den Erlöser kennen gelernt habe. Als beide bald darauf mit einem lutherischen Thristen zusammentrafen, bekannte der letztere, daß dieser Israelit ihn für den christlichen Glauben wiedergewonnen habe. Oft ließen Menschenfurcht und Brotsorge es nicht zur Offenbarung der gläubigen Gesinnung kommen. Ein junger englischer Jude klagte, er dürfe seinen Glauben, daß IEsus der wahre Messias sei, nicht bekennen, um seine Eltern, bei denen er wohnt, nicht zu kränken. Ebenso ließ sich dort eine christgläubige verheiratete Frau durch die Besorgnis, Flüche auf ihr Haupt und auf die Häupter ihrer Angehörigen zu bringen, von der Taufe zurückhalten. Ein rumänischer Gesinnungsgenosse dieser beiden antwortete mit traurigem Gesicht aus die Frage, warum er nicht offen mit seinem Glauben hervortrete: „Ach, was wird dann aus meiner Frau und meinen Rindern werden?" Eine gebildete junge Jüdin in Amsterdam, die infolge ihrer langen Rrankheit gänzlich von ihren Eltern abhängig ist, schrieb vor Weihnachten an einen christlichen Freund: „Wie glücklich sind Sie, daß Sie das hohe Vorrecht besitzen, das Fest der Geburt Lhristi zu feiern, während ich mich an dieser Freudenfeier nicht beteiligen kann! Wie sehne ich mich danach, imstande zu sein, Ihn, der unsere Menschheit und unsere Leiden aus reinem Erbarmen auf sich nahm, öffentlich als Gott zu verehren I Ich habe noch täglich zu kämpfen, werde aber auch täglich durchs Lesen des Gebetbuchs und des N. T. getröstet. Jeden Abend beuge ich meine Rniee und sage: Lieber IEsusl Obwohl ich nur eine Jüdin bin, so höre Du doch auf mein ernstes Flehen!" Aber mancher trotzte dem Zorn der Familie, der Verfolgung der Volksgenossen. Ein Taufbewerber in Hamburg wurde von seinen: