Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 9
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Dann setzte sie sich in einem Nebenzimmer unter eine Anzahl Jüdinnen, welche am Boden saßen und Airschsteine reinigten. (Die Beduinen der Berge machen aus Airschsteinen Halsbänder.) Die Missionarin gewann die Aufmerksamkeit der Frauen, indem sie ihnen aus der französischen Bibel ps. 2Z übersetzte. Einige riefen: „O, wie süß ist Gottes Mortl" Eine Zuhörerin holte eine Freundin herbei, um sie an diesem Genuß teilnehmen zu lassen. Frau Flad öffnete aufs neue ihre Bibel und trug die Geschichte von der Heilung des aussätzigen Syrers Naeman durch Elisa vor. Hieran knüpfte sie die Bemerkung an, daß der schrecklichste Aussatz, die Sünde, eines größeren Propheten zu seiner Heilung bedürfe: des Sohnes Gottes, des Messias. Die Frauen hörten aufmerksam zu und begehrten näheren Aufschluß über die christliche Religion. Nachmittags mußte die Ehristin ihren Besuch wiederholen. Mit Hinweis auf die ihr gewährte Gastfreundschaft sprach sie jetzt von den Geschwistern in Bethanien, die Jesum so oft gastlich aufnahmen. Als sie hierauf ein ihr vorgezeigtes Bild, ein Stück aus der Geschichte Josephs, erklärt hatte, fragte eine von den Zuhörerinnen die christliche Bibelkennerin, warum sie nicht eine Jüdin werde. Dieselbe antwortete: „Mir haben etwas Besseres. Gott gab das Gesetz durch Mose, aber in eigener Araft vermögen wir nicht ein einziges Gebot zu erfüllen. Auch wir Ehristen sind Gesetzesübertreter. Das ist aber nun das Bessere, dessen wir uns erfreuen: Mir haben ein Sündopfer, welches alle unsere Übertretungen tilgt. Von ihm reden Eure Propheten." Auf eine Zwischenbemerkung der jungen Jüdin, die ihr am nächsten saß, erwiderte die Missionarin: „Eure Religion ist zuletzt eine Aüchenreligion geworden. Die unserige ist eine Religion des Herzens und des Geistes." Beim Verlassen des Hauses bat sie die Anwesenden: „Betet um den heiligen Geist! Er allein kann Euch zeigen, daß Ihr eines Erlösers bedürft, und daß dieser Jesus, den wir Euch predigen, der Erlöser ist." Als Missionar Flad, der auch mit manchen andern jüdischen Bewohnern der Stadt in Berührung kam, seine Gattin zum letztenmal zu Esther begleitete, äußerte der Mann einer ihrer Nachbarinnen, einer Jüdin, welche die von der Ehristin verkündigte Wahrheit mit besonderem Eifer ausgenommen hatte: „Meine Frau ist ganz voll von dem, was sie gehört hat, und würde gerne werden, was Sie sind." mm. 8, 31. In der Nähe von Ain-Beida, dem Jerusalem der algerischen Juden, erhebt sich eine Säule, von welcher Landstraßen nach Aarthago, Ejippo und 4 andern Drten ausgehen. Die Stadt Halle zur Römcrzeit die Bedeutung eines Mittelpunktes für die ganze Gegend, wozu die gesunde, hohe Lage und „die weiße tlZuelle," nach welcher sie benannt ist, beitrug. Auf einem ander», jener Säule ähnlichen Wegweiser ist folgende Inschrift zu lesen: „Fide in Deo et atnbula; si Deus pro nobis, quis adversus 110s?“ (vertrau' auf Gott und wandere l Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?) Lin schönes Denkmal der Vergangenheit. Gewiß hat diese Inschrift vor alters manchen christlichen Wanderer erquickt. Die Zeiten und auch die Bevölkerung haben fid; seither geändert. Aber die Wahrheit ist dieselbe geblieben. Sie erfüllt uns, ihre gegenwärtigen Nachfolger, mit derselben Gewißheit, daß wir nichts zu fürchten haben, da Gott für uns und unsere Sache ist. _ (I. M. Int. 1897, p. 57.)