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Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 9 · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 9
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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68 zu sein, und der Allmächtige gebeten, solchen Betrübten durch sein Wort zu geben, was die Natur ihnen nicht gewähren könne. Auch die Ausbreitung des Reiches Gottes unter Israel, Ismael und den Heidenvölkern bildete einen Gegenstand der Fürbitte. Nachdem hierauf noch für Aönig Oskar und Aaiser Wilhelm und um die Fortdauer der für die Seereise günstigen Witterung gebetet worden war, faßte man alle weiteren Anliegen mit dem Gebet zusammen, welches der HEiland selbst gelehrt hat. Endlich wurde der Aaronitische Segenswunsch gesprochen. Der Versuch, den Gottesdienst, mit einem gemeinsamen deutschen Gesang zu beschließen, gelang. Über die rauschenden Wogen zogen die feierlichen Alänge des dreiversigen Liedes „Nun danket alle Gott!" dahin und brachten dem Ewigen die Anbetung dar, zu der so vieles uns verpflichtet. Das Nachtge,sprach Jesu mit Nikodemus (Joh. 3) ist ein herrliches Beispiel für den Zug des Vaters zum Sohne (Joh. 6, 65). Gott zieht Nikodemus aus den Areifen der ungläubigen Pharisäer, aus der Versammlung der mit Feindschaft gegen Iesum erfüllten Obersten heraus und bringt ihn zu seinem eingeborenen Sohne. Nikodemus will sich in die Schule dieses Meisters und Propheten begeben. Als Prophet zeugt Jesus ihm alsbald vom Reiche Gottes. Nichts Geringeres hat Gott dem Menschen zugedacht als neues Leben, in welchem sein Wille herrscht und sein £)dl selig macht. In dies Reich Gottes bringt nicht irgend ein Wissen hinein, sondern nur ein Werden. Denn solange wir in unserm natürlichen Herzenszustand verbleiben, erkennen wir nicht unser wahres fjdf, widerstreben wir dem Willen Gottes. Der Eigenwille tritt das eine Mal besonders rechthaberisch auf, das andre Mal ist er nachgiebiger. Bei dem einen Menschen verirrt er sich bis zu Laster und Schande, bei dem andern hält er die Gebote des Anstandes streng inne. Er bleibt aber doch Eigenwille und ist ungöttlich. Solange er nicht überwunden ist, ist uns das Reich Gottes verschlossen. In dies Reich geht es nur hinein durch die Wiedergeburt. Nikodemus erkennt an, daß es dem Menschen nötig wäre, von Grund an erneut zu werden, fragt aber: Wie ist das möglich? Einen alten Baum, welcher der Macht der Stürme nachgegeben und sich ganz auf eine Seite geneigt hat, statt himmelan zu wachsen, kann man nicht mehr dazu bringen, daß er gerade in die Höhe steigt. Ja, wenn er sich wieder zurückziehey könnte in das Samenkorn, dem er entsprossen ist, um aus demselben unter genauer Obhut und Fürsorge noch einmal zu erwachsen, dann würde ein ganz anderer Baum daraus werden I Als Nikodemus an sich selbst verzweifelt, hat Jesus ihn so weit, daß er ihn in seine Lehre nehmen kann. Er sagt jetzt nicht bloß, daß die Wiedergeburt notwendig, sondern auch, daß sie durch Wasser und Geist möglich ist. Diese Worte mußten dem Nikodemus ein Rätsel sein. Aber wenn uns ein Arzt wider ein schweres körperliches Leiden ein Heilmittel anriete, von dem wir bis dahin nie gehört hätten: »

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