Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2554541-2555035-2555043--09724-2565909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
62 wird Gott Deine Studien und Deine Ruhe verfluchen." Das war zu viel für den Verfasser der Institutio. Aufs tiefste erschüttert, gab er jeden Widerspruch auf. Gr gelobte, sobald als möglich von Basel nach Genf zurückzukehren, um hier an der Wiederherstellung der Airche nach Aräften mitzuhelfen. Noch 20 Jahre später erinnerte (Lalvin sich mit Zittern dieser Beschwörungsszene, bei der er den Eindruck empfangen hatte, daß ihn die furchtbare Hand Gottes vom Fimmel her ergriff und zurückhielt. Wie die Feuerherren in Hannover, die Anton Barkhausen zum Bürgermeister machten, so wurde auch der Feuergeist in Genf, der den jugendlichen (Lalvin auf den Lehr- und predigtstuhl in dieser Stadt erhob, durch den Gang der Geschichte wegen seines kühnen Vorgehens gerechtfertigt. Auch diese Vergewaltigung erwies sich als eine heilsame. Es giebt Leute, die es von Jugend auf verstehen, ihre werte Persönlichkeit überall hervorzudrängen und geltend zu machen. Und doch sind diese „Gänschen auf allen Gaffen" keineswegs immer die Tüchtigsten. Um einen schönen Edelstein zu finden, muß man oft in eine dunkle Bergestiese hinabsteigen. So ist es oft notwendig, einen hervorragenden Geist aus der Verborgenheit hervorzuziehen, hätten wir alle nur den Scharfblick, der das Genie entdeckt, die Zähigkeit, die dem klar erkannten Willen Gottes einen unbedingten Gehorsam erzwingt, vor allem aber die selbstlose Demut, die vor dem von Gott Berufenen gerne zurücktrittl Es ist eine schöne, herrlich lohnende Aufgabe, schüchterne Lichtträger zu nötigen, daß sie ihr Licht vor den Leuten leuchten lassen. ._ Nach oöen. TXad} oben leuchtet die brennende Kerz'. Nach oben seufzt Kreaturenschmerz. Nach oben, nach oben, welch'tiefer Drang! Nach oben ruft uns der Glocke Klang. Nach oben duftet das Blümlein mild, Und das ist des Menschenherzens Bild. Nach oben dürstet es fort und fort, Nach einem ewigen Ruhexort. Ls dürstet nach Frieden im ewigen Licht, Der, ach, hier unten sich findet nicht. So laß uns steh'n auf dem Kampfesplan, Auf der Stirne das Siegel: Himmelan! j Der HLrr mit Dir auf der Lebensbahn! (Joseph Knapp.) 1? 0. Nach dem Bericht eines französischen Reisenden, welcher die zu den Sporaden gehörige Insel patmos besuchte, zeigt der graue Felsen, aus dem sie besteht, nur wenige grüne Punkte: die Gärten und Weinberge der Einwohner. Dagegen sieht man Hunderte von weißen Punkten: die über die Insel hin zerstreuten Kirchen. Von den beiden Dörfern, welche Patmos besitzt, liegt das eine am Meer, das andere, etwa 800 Däuser zählend, an den Abhängen des höchsten Berges, auf dessen Spitze (300 m über dem Wasser) sich das festungsartige Iohanniskloster erhebt. Mit Ausnahme von drei oder vier türkischen Beamten sind alle Insulaner Griechen. Die Bibliothek jenes Klosters, welches im \2. Jahrhundert unter Kaiser Alexius Komnenus von dem heiligen Lhristodulus erbaut wurde, besitzt viele Handschriften der Evangelien und der Kirchenväter, auch allerlei Reliquien, u. a. das Haupt des Apostels Thomas (l). Die Zahl der Mönche beträgt ^o. Alle sind auf patmos geboren. Auf halbem Wege zwischen dem Kloster und dem Hafen befindet sich die sog. Grotte der Offenbarung. hierher vrrlegt die Überlieferung die Gesichte, deren Zeuge Johannes sein durfte. Natürlich steht auf diesem Platz eine Kapelle. Er ist jedenfalls vortrefflich geeignet, zu stiller Betrachtung der göttlichen Dinge anzuregen. Das Ohr hört hier