Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 8
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Barkhausen erklärte: „Ich bin für diesen Kosten viel zu jung, auch mit den früheren Stadträten verwandt und deshalb dem großen Kaufen verdächtig. Außerdem kenne ich die Freiheiten und Rechte der Stadt zu wenig". Ls war umsonst, daß der Geängstigte endlich rief: „Ich werde 500 Goldgülden erlegen, wenn Ihr von mir absehet nnd einen würdigeren und geschickteren Mann wählet." Die Zwölf bestanden darauf, daß er die auf ihn gefallene Wahl annehmen müsse, falls er nicht die Stadt verlassen wolle. So blieb Barkhausen nichts übrig, als nachzugeben und das ihm übertragene Amt anzunehmen. Die Folgezeit hat den Feuerherren von Hannover rechtgegeben. Sie hatten den richtigen Mann zum Stadthaupt gemacht. Der erste evangelische Bürgermeister von Hannover, der Freund des Reformators Urbanus Rhegius, der Vertreter Hannovers auf dem Schmalkaldifchen Bundestage zu Frankfurt (j(536), der fromme Patriot, der seiner Vaterstadt in Lhristo diente und daher auch in langjähriger Regierung des Heilands Hilfe oftmals erfahren durfte, wird innerhalb und außerhalb Hannovers stets mit Lhren genannt werden. An einem Augustabend des Jahres J(536, also 2^4 Jahre nach der denkwürdigen Stadtratswahl in Hannover, saß ein junger Mann von 27 Jahren in einer Genfer Herberge. Lr kam aus Italien und wollte am folgenden Morgen in aller Frühe nach Bafel reisen. Da erschien trotz der späten Stunde zum Besuch des Fremden ein in Genf ansässiger evangelischer Prediger, der um 20 Jahre ältere Wilhelm Farel. Der letztere wußte, daß der Jüngling sein Landsmann, d. h. ein Franzose, und daß er der Verfasser des am Anfang desselben Jahres erschienenen herrlichen Buches „InstitutioOllristiLiiatzreliAioiiiL", also Johannes Calvin, war. Farel hatte zugleich die feste Überzeugung, daß Calvin von Gott dazu bestimmt war, die Reformation in Genf durchzuführen. So forderte er nun den jungen Mann auf, in der Stadt zu bleiben und ihm zu helfen. Aber Calvin, von einer solchen Zumutung überrascht und erschreckt, antwortete mit einem entschiedenen Nein. Lr berief sich zuerst auf seine )ugend, die ihn für ein derartiges Amt nicht tauglich mache. Dann sagte er: „An ein Amt und an eine einzelne Airche kann ich mich noch nicht binden. Ich will zuerst fürs Allgemeine wirken." Ferner versicherte er: „Ich bin mit meinen Studien noch lange nicht am Ziel. Ich muß mich noch auf einige Jahre in die Stille zurückziehen, um weiter zu arbeiten." Farel ließ diese Gründe nicht gelten und bestürmte den Jüngling, seine eigenen Pläne aufzugeben und im Vertrauen auf Gottes Araft zu antworten: „Hier bin ich. Sende mich l" Aber zu einer solchen Antwort vermochte Calvin sich nicht aufzuschwingen. „Ich selber kenne mich am besten," erwiderte er. „Ich weiß, daß die Schüchternheit meines Charakters und die Art meiner Geistesanlagen mich zu dieser Stellung untauglich machen." Da hob Farel in heiligem Zorn die Hand auf und rief mit Donnerstimme: „Du redest von Deinen Studien und Deiner Ruhe. Nun wohl! So erkläre ich es Dir denn im Namen des lebendigen Gottes: Wenn Du in so großer Not der Airche Deine Hilfe uns versagst und Dich selber mehr suchst als Lhristum, dann