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Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 8 · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 8
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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60 er doch nur sein Sohn ist?" Der Rabbiner schlug hastig den Midrasch auf und trug sodann dessen Auslegung vor. <£r behauptete, David rede in diesem Psalm von seinem Vorfahren Abraham und beschreibe in Bildern die glückliche Lage des Vaters der Gläubigen. „Wissen Sie nicht," fuhr der jüdische Gelehrte fort, „wie siegreich er war über alle seine Feinde? hieran ist bei dem Schluß von Vers J zu denken." Aber Flad zeigte ihm, wie ungenügend diese Erklärung ist. Auf seine Frage: „Wie verhält es sich denn mit dem willigen Volk, welches dem Könige nachfolgt, und mit der Priester- und Äönigswürde nach der Ordnung Melchisedeks?" wußte der Rabbiner nichts zu antworten. Dieser reckieß deshalb den Gegenstand und rief: „Wie können Sie erwarten, daß wir an Iesum glauben, da man aus der Geschichte von seinem Ende hinlänglich weiß, daß er von Gott gestraft wurde?" Der Missionar antwortete: „Gerade dies ist ein weiterer starker Beweis für seine Messianität." Gr erinnerte an die Weissagung Zes. 55: „Wir hielten ihn für einen, der getroffen, von Gott geschlagen und geplagt wäre." Dann sprach er von der Notwendigkeit des Blutvergießens zur Erlangung der Sühne und von dem Blute Jesu als dem einen bleibenden, ausreichenden Opfer. „Wir haben ein Opfer," sagte er, „und Sündenvergebung durch den Glauben an dasselbe, aber Sie haben keine Versöhnung." Der Gegner meinte, Gott bedürfe keiner Tiere. „Gewiß nicht," wurde ihm erwidert. „Er bedurfte ihrer nie während der Jahrhunderte, in denen sie ihm dargebracht wurden. Aber das Opfer ist das einzige Mittel zur Versöhnung, welches er festsetzte. Er sagte nie, daß ein anderes Mittel, wie Beten oder Fasten, genüge. Das Neue Testament giebt die Erfüllung des Alten, indem es dem Gläubigen einen Ersatz für die zahlreichen Tempelopfer anbietet." Länger als eine Stunde ließ der Israelit sich so von dem Thristen zur Seligkeit unterweisen. Der Rabbiner ist ein überzeugungstreuer Mann: er hat einst sein Lehramt in einer Regierungsschule aufgegeben, um nicht am Sonnabend arbeiten zu müssen. Wie schön wäre es, wenn er ein überzeugungstreuer Lhrist würde! Zwei heilsame Vergewaltigungen. Der Sonntag Jubilate des Jahres nimmt in der Reformationsgeschichte der Stadt Hannover eine wichtige Stelle ein. An diesem Tage wurden anstatt der gestohenen katholischen Ratsherren evangelische gewählt. Die Wahlkommission bestand aus \2 Mitgliedern der Stadtgemeinde, welche sich eidlich verpflichtet hatten, nur aufrichtigen Freunden des göttlichen Wortes ihre Stimmen zu schenken. Diese \2 Wähler führten die eigentümliche Bezeichnung „Feuerherren". Bei der Wahl des Bürgermeisters richteten sie ihr Augenmerk auf einen jungen Patrizier, Namens Anton Barkhausen. Aber dieser lehnte die Wahl sofort ab. Über das Verlangen, daß er in einer so stürmischen Zeit die Zügel der städtischen Regierung in die Hände nehmen solle, war er so erregt, daß ihm die Thränen aus den Augen stürzten. Die Feuerherren ließen sich jedoch nicht abweisen. Es war umsonst, daß

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